Oliver Twiſt. 15
was die Frau erzählen werde. Die Geſichter aller drei berührten ſich faſt, als die beiden Männer in der Be⸗ gierde, das Geheimniß zu erfahren, ſich über den Tiſch bogen und die Frau ſich ebenfalls vorwärts neigte, da⸗ mit ihr leiſes Sprechen gehört werde. Die matten Licht⸗ ſtrahlen der Laterne, die gerade auf ſie fielen, erhöheten die Bläſſe und den Ausdruck der Aengſtlichkeit in ihren Geſichtern, die, vom tiefſten Dunkel umgeben, im höch⸗ ſten Grade geſpenſterhaft ausſahen. 8
„»Als die Frau, die wir die alte Sarah nannten, ſtarb,« begann Madame Bumble,»war ich mit ihr allein.«
»War ſonſt Niemand zugegen?« fragte Monks eben ſo leiſe,»keine Kranke, keine Blödſinnige in einem an⸗ dern Bette? Niemand, der hören und möglicher Weiſe etwas verſtehen konnte?«
»Keine Seele,« antwortete die Frau;»wir waren allein; ich allein ſtand neben der Alten, als der Tod über ſie kam.«
»Gut,« bemerkte Monks, der ſie mit geſpannter Auf⸗ merkſamkeit betrachtete;»weiter.«
»Sie ſprach von einem jungen Mädchen,« fuhr die Frau fort,»die vor einigen Jahren ein Kind zur Welt gebracht habe, nicht bloß in derſelbe Stube, ſondern in demſelben Bette, in welchem ſie eben lag.«
»Nun!« fragte Monks mit bebender Lippe.»Blut! Wie wird es noch werden?«
„»Das Kind war der Knabe, den Sie geſtern Abend gegen ihn nannten?« fuhr die Frau fort, indem ſie mit dem Kopfe nach ihrem Manne hin nickte;»die Alte, welche die Mutter wartete, hatte dieſe beraubt.⸗
„»Im Leben 2« fragte Monks.
»Nein, als ſie todt geweſen,« fuhr die Frau ſchau⸗


