168 Oliv er Twiſt.
len, daß Du jener ſchönen Welt angehörſt, wohin ſo viele begabte Weſen in der Kindheit und Jugend entwi⸗ chen ſind,— und doch zu beten, Du möchteſt denen wiedergegeben werden, die Dich lieben,— ſind Gedan⸗ ken, die ein Menſch⸗ kaum ertragen kann. Ich hegte dieſe Gedanken Tag und Nacht; mit ihnen ſtürmten auf mich Beſorgniſſe ohne Zahl ein, nebſt dem eigennützigen Be⸗ dauern, Du könnteſt ſterben, ohne erfahren zu haben, wie innig ich Dich liebte, und ſie rlöſchten faſt das Licht des Verſtandes in mir. Da genaſeſt Du, Tag für Tag und faſt Stunde für Stunde; einige Tropfen der Ge⸗ ſundheit kamen zurück, miſchten ſich mit dem ſchwachen Strome des Lebens, der matt noch durch Deine Adern floß und ſchwellten ihn wieder auf zur hohen Fluth. Ich habe Dich faſt vom Tode zum Leben übergehen ſehen, und meine Augen waren feucht von tiefer Liebe. Sage mir nicht, Du wünſchteſt, ich hätte dieſe Liebe verloren, denn ſie hat mein Herz weich und ſanft geſtimmt gegen die ganze lt.«
»Das meinte ich nicht,« ſagte Roſa weinend;»ich wünſchte nur, Du wäreſt dabei ſtehen geblieben, damit Du Dich Deinem hohen, edeln Streben und den Be⸗ ſchäftigungen zuwenden könnteſt, die Deiner würdig ſind.«
»Keine Beſchäftigung iſt meiner, iſt der edelſten Na⸗ tur würdiger, als das Streben, ein ſolches Herz, wie das Deinige, zu gewinnen,« fuhr der junge Mann fort, indem er ihre Hand erfaßte.»Roſa, meine theure Roſa, Jahre, Jahre ſchon habe ich Dich geliebt, Jahre lang hoffte ich, mir den Weg zum Ruhme zu bahnen und dann ſtolz nach Hauſe zurückzukommen, Dir zu ſagen, er ſei nur geſucht worden, um ihn mit Dir zu theilen, und Dich dann um Deine Hand zu bitten, gleichſam nach einem alten Vertrage, der ſtumm ſchon in den Kin⸗


