166 Oliver Twiſt.
und Oliver in den Marktflecken, um vielleicht dort etwas von den Männern zu ſehen oder zu hören, aber auch dieſe Bemühung war vergebens, und nach einigen Tagen fing man an, die Sache zu vergeſſen, wie man die mei⸗ ſten Sachen vergißt, wenn die Verwunderung darüber keine neue Nahrung erhält und von ſelbſt verſchwindet. Roſa erholte ſich während dieſer Zeit ſchnell. Sie hatte ihr Zimmer verlaſſen, konnte wieder ausgehen, lebte von neuem in der Familie und erfreuete Aller Herzen. Obgleich nun aber dieſe glückliche Veränderung eine ſichtbare Einwirkung auf den kleinen Kreis hatte, ob⸗ gleich man wieder heitere Stimmen und luſtiges Lachen
in dem Landhauſe hörte, ſo zeigte ſich doch bisweilen an
Einigen ein ungewohnter Zwang,— ſelbſt an Roſa— der Oliver nicht entging. Madame Maylie und ihr Sohn ſchloſſen ſich oft lange mit einander ein, und auf Roſa's Geſicht zeigten ſich oftmals Spuren von Thränen. Als Losberne den Tag ſeiner Abreiſe nach Chertſey beſtimmt hatte, ſteigerten ſich dieſe Symptome, und es wurde of⸗ fenbar, daß etwas vorging, welches den Frieden des jun⸗ gen Mädchens und noch einer andern Perſon ſtörte.
Eines Morgens endlich; als Roſa allein in dem Speiſezimmer ſaß, trat Heinrich ein, und bat nach eini⸗ ger Zögerung um die Erlaubniß, einige Worte mit ihr ſprechen zu dürfen.
»Wenige, ganz wenige Worte werden hinreichen, Roſa,« ſagte der junge Mann, indem er ſeinen Stuhl in ihre Nähe rückte.»Was ich Dir ſagen will, wirſt Du ſchon ſelbſt wiſſen; die theuerſten Hoffnungen meines Herzens ſind Dir nicht unbekannt, obgleich Du ſie von meinen Lippen noch nicht ausſprechen hörteſt.“«
Roſa war gleich bei dieſem Eingange ſehr blaß ge⸗ worden, doch konnte dies auch noch eine Folge ihrer


