160 Oliver Twiſt.
ſchmack in ihrer Anordnung, daß er ſeinen jungen Gefähr⸗ ten bald übertraf. Wenn aber auch Oliver darin nachſtand, ſo wußte er dagegen, wo die ſchönſten wuchſen, und jeden Morgen durchſtreiften ſie die Umgegend und brachten die ſchönſten, welche blüheten, zuruck. Jetzt wurde auch das Fenſter in dem Zimmer Roſa's geöffnet, denn ſie fühlte gern die weiche Sommerluft hereinſtrömen und erquickte ſich an ihrer Friſche; und an dem Fenſter ſtand immer in Waſſer ein beſonderer Blumenſtrauß, der jeden Morgen mit beſonderer Sorgfalt gebunden wurde. Oliver bemerkte es wohl, daß die verwelkten Blumen nicht weggeworfen wurden, obgleich die kleine Vaſe jeden Morgen einen friſchen Strauß erhielt; auch entging es ihm nicht, daß der Doktor, ſo oft er in den Garten kam, um ſeinen Morgenſpaziergang zu machen, an jene Stelle hinaufſah und ausdrucksvoll dabei nickte. Unter ſolchen Gedanken vergingen die Tage ſchnell, und Roſa genas raſch und ſicher.
Oliver beſuchte mit verdoppeltem Eifer und Fleiße den Unterricht des grauköpfigen Alten, und arbeitete ſo emſig, daß er ſelbſt von ſeinen ſchnellen Fortſchritten überraſcht war. Bei dieſer Arbeit wurde er einſt durch einen ganz unerwarteten Vorfall ſehr erſchreckt.
Das Stübchen, in welchem er in ſeinen Büchern zu ſtudiren pflegte, befand ſich zu ebener Erde nach dem Garten hinaus. Es war ganz ein Landhausſtübchen, mit einer Jalouſie am Fenſter und Jasmin und Jelän⸗ gerjelieber, die daſſelbe mit ihrem Dufte füllten. Von dem Garten führte eine kleine Thür auf ein kleines Grasland, und darüber hinaus war Alles Wieſe und Wald. Nach dieſer Seite hin ſtand kein anderes Ge⸗ bäude, und die Ausſicht war ziemlich weit.
An einem ſchönen Abende, als die erſten Schatten


