Teil eines Werkes 
2. Th. (1839)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Oliver Twiſt.

»Nein, nicht kalt,« erwiederte die Mutter,»keines⸗ wegs.«

»Wie ſonſt?« fragte der junge Mann.»Sie liebt doch keinen Andern?«

»Nein,« entgegnete die Frau.»Die Liebe zu Dir ſcheint, wenn ich nicht irre, bereits mit ihrem Herzen feſt verwachſen zu ſein.«

»Ich habe nur noch etwas zu ſagen,« fuhr die Frau fort, und unterbrach den Sohn, der eben antworten wollte.»Ehe Du Dein Alles auf dieſes Wagniß ſetzeſt, mein Sohn, ehe Du Dich auf den höchſten Gipfel der Hoffnung ſtellſt, denke einige Augenblicke über Roſa's Geſchichte nach und überlege, welchen Einfluß die Kennt⸗ niß ihrer zweifelhaften Geburt auf ihre Entſcheidung ha⸗ ben kann, und welcher Edelſinn, welche Selbſtopferung in allen Dingen, in großen wie in kleinen, ihren Cha⸗ rakter ſtets ausgezeichnet hat.«

»Was meinſt Du damit?«

»Das errathe Du ſelbſt,« antwortete die Mutter. »Ich muß zu Roſa. Gott behüte Dich!«

»Werde ich Dich heute Abend wiederſehen?« fragte der junge Mann.

»Gelegentlich,« antwortete die Mutter,»wenn ich Roſa verlaſſe.«

»Du wirſt ihr ſagen, daß ich hier bin?

»Allerdings.«

»Und wie beſorgt ich geweſen bin, wie ſehr ich ge⸗ litten habe, wie ich mich ſehne, ſie zu ſehen nicht wahr, Mutter, das ſagſt Du ihr auch?«

»Das will ich ihr alles ſagen,« antwortete die Mut⸗ ter, die liebevoll die Hand des Sohnes drückte und das Zimmer verließ.

Losberne und Oliver waren während dieſes Geſprächs