Oliver Twiſt. 157
an dem andern Ende des Zimmers geblieben. Jetzt ſtreckte der Erſtere ſeine Hand Heinrich Maylie entge⸗ gen, und Beide begrüßten einander auf das Herzlichſte. Dann gab der Doktor auf die vielfachen Fragen ſeines jungen Freundes einen genauen Bericht ſeiner Kranken, der ganz ſo troſtreich und vielverſprechend lautete, wie Heinrich nach Olivers erſter Angabe zu hoffen wagte, und auf den Giles, während er ſich ſcheinbar mit dem Gepäcke beſchäftigte, begierig horchte.—
»Haſt Du neuerdings etwas Beſonderes geſchoſſen, Giles?« fragte der Doktor, als er mit ſeinem Berichte fertig war.
»Nichts Beſonderes, Herr Doktor,« antwortete Giles, der roth wurde bis an die Ohren.
»Auch keine Diebe gefangen und Knaben für ſolche angeſehen?« fragte der Doktor malitiös weiter.
»Nichts, Herr Doktor,« antwortete Giles ganz ernſthaft.
„Das thut mir leid, fuhr der Doktor fort,»da Du darin doch eine beſondere Geſchicklichkeit haſt. Wie geht es dem Brittles?«
»Der Junge iſt ganz wohl, Herr Doktor,« ſagte Giles in ſeinem gewöhnlichen Gönnertone,»und läßt ſich Ihnen ergebenſt empfehlen.«
»Sehr wohl,« entgegnete der Doktor.»Da ich Dich ſehe, Giles, ſo fällt mir auch ein, daß ich an dem Tage, ehe ich ſo ſchnell hierher beſchieden wurde, auf Erſuchen Deiner guten Herrin einen kleinen Auftrag zu Deinem Nutzen beſorgt habe. Willſt Du einmal da her in dieſe Ecke kommen?«
Giles begab ſich in die angedeutete Ecke mit großer Wichtigkeit und einiger Verwunderung, und wurde mit einem kurzen heimlichen Geſpräche von dem Doktor be⸗


