* Oliver Twiſt.
In Olivers Augen ſtanden die Thränen, als er ſich des Auftrittes erinnerte, der jenes Glück begann; der Herr wendete ſein Geſicht ab und ſchwieg einige Augen⸗ blicke. Oliver glaubte, er ſchluchzte mehr als einmal,
aber er fürchtete, ihn durch eine weitere Bemerkung zu
unterbrechen— denn er konnte ſich die Gefühle des jun⸗
gen Mannes denken— und ſo ſtand er bei Seite und that, als beſchäftige er ſich mit ſeinen Blumen.
Dieſe ganze Zeit über hatte Giles, die Nachtmütze auf dem Kopfe, einen Elbogen auf jedes Knie geſtützt, auf dem Kutſchentritte geſeſſen, und wiſchte ſeine Augen mit einem blauen, weiß getüpfelten Taſchentuche ab. Daß der brave Mann die Rührung nicht heuchelte, zeig⸗ ten ſeine ſehr rothen Augen, mit denen er den jungen
Herrn anſah, als dieſer ſich zu ihm umdrehete und ſagte:
»Ich denke, Du fährſt zu meiner Mutter weiter, Gi⸗ les. Ich will langſam gehen, um mich etwas zu faſſen, ehe ich ſie ſehe. Du kannſt ſagen, daß ich komme.“
»Verzeihen Sie, Herr Heinrich,« antwortete Giles, indem er ſein Geſicht mit dem Taſchentuche vollends ab⸗ trocknete,»aber Sie würden mich ſehr verpflichten, wenn Sie das dem Poſtillon auftrügen. Ich kann mich in dieſem Zuſtande nicht vor den Mägden ſehen laſſen; meine Autorität wäre hin.«
»Auch gut,« entgegnete Heinrich Maylie lächelnd, »wie Du willſt. Laß ihn fahren, wenn Du es wünſcheſt, 3 und gehe mit uns. Aber erſt nimm die Nachtmütze ab
und ſetze etwas Beſſeres auf, ſonſt halten uns die Lehth für toll.«
Giles dachte jetzt erſt an ſeinen unſchicklichen Anzug, riß die Nachtmütze vom Kopfe, ſteckte ſie in die Taſche und ſetzte einen ernſthaften Hut auf, den er aus dem


