Teil eines Werkes 
2. Th. (1839)
Entstehung
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148 Oliver Dwiſt.

Es war Alles ſo friedlich und ſchön, die ſonnige Land⸗ ſchaft ſtrahlte in ſo heiterm Glanze, die Sommervögel ſangen ſo lieblich, die Raben flogen ſo frei in den Lüften, aus Allem ſprach ſo fröhliche Lebenskraft, daß, als der Knabe ſeine brennenden Augen aufſchlug und umherblickte, der Gedanke ſich nicht abweiſen ließ, dies ſei keine Zeit zum Sterben, und Roſa könne unmöglich ſcheiden, während gemeinere Dinge ſo friſch und heiter wären; die Gräber wären nur für den kalten, freudeloſen Winter, nicht für Sonnenlicht und Wärme. Ja, er glaubte feſt, der Sarg ſei nur für alte und gebrechliche Menſchen, und umſchließe nie die kräftige Jugend.

In dieſe Kindergedanken ſchlug der Trauerton der Kirchenglocke. Einige arme Leidtragende zogen durch die Thür des Kirchhofes herein und trugen weiße Bänder, deun die Leiche war jung. Mit entblößtem Haupte ſtan⸗ den ſie an dem Grabe, und eine Mutter— ſonſt eine Mutter— weinte unter ihnen. Aber die Sonne ſchien ſo freundlich als zuvor und die Vögel ſangen lieblich weiter.

Oliver kehrte nach Hauſe zurück, dachte an die Güte, welche ihm ſo vielfach erwieſen, und wünſchte, ſle ſei wie⸗ der geſund, damit er ihr von neuem beweiſen könne, wie dankbar er ihr ſei und wie ſehr er ſie liebe. Er hatte keine Urſache, ſich über Nachläſſigkeit und Mangel an Aufmerkſamkeit gegen ſie Vorwürfe zu machen, aber er dachte doch an hundert kleine Gelegenheiten, bei denen er, wie er meinte, eifriger hätte ſein ſollen, und ſo gewe⸗ ſen zu ſein wünſchte. Wir ſollten ſehr aufmerkſam ſein, wie wir mit den Unſrigen umgehen, denn jeder Todesfall bringt einem kleinen Kreiſe Ueberlebender peinigende Ge⸗ danken, daß ſie ſo viel unterlaſſen und ſo wenig gethan, ſo viel vergeſſen und ſo wenig gut gemacht haben, und