Teil eines Werkes 
2. Th. (1839)
Entstehung
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Oliver Twiſt. 147

am Rande des Grabes ſtand, aus ſeinem von Angſt und Verzweiflung gepeinigten Herzen emporſtiegen!

Die Folter, die ſchreckliche Folter, müſſig daſtehen zu müſſen, während das Leben eines geliebten Weſens in der Wagſchale ſchwankt,— die peinigenden Gedanken, welche die Seele beſtürmen, das Herz zu heftigem Klopfen treiben, und ſo ſchreckliche Bilder hervorrufen, daß man mit Mühe ath⸗ met,— das verzweiflungsvolle ängſtliche Streben, etwas zu thun, um den Schmerz zu lindern oder die Gefahr zu verringern, die wir nicht abzuweiſen vermögen;— die Kleinmüthigkeit, welche der Gedanke an ihre Hülflo⸗ ſigkeit erzeugt— ach, giebt es Folterqualen gleich dieſen, und was vermag ſie zu lindern!

Der Morgen kam, und das Häuschen war ruhig und ſtill, die Leute ſprachen heimlich und flüſternd; an der Thür zeigten ſich von Zeit zu Zeit ängſtliche Geſichter, und Frauen und Kinder gingen mit Thränen in den Au⸗ gen fort. Den ganzen langen Tag und noch Stunden lang, als es bereits dunkel geworden, ging Oliver in dem Garten umher, ſah jeden Augenblick nach dem Kranken⸗ zimmer hinauf und ſchauderte bei dem Anblicke des ver⸗ hangenen Fenſters, als liege der Tod dahinter. Spät in der Nacht kam Losberne.

»Es iſt hart,« ſagte der gute Doktor, und er wendete dabei ſein Geſicht ab,»ſo jung, ſo viel geliebt,— aber es iſt wenig, wenig Hoffnung.«

Am nächſten Morgen ſchien die Sonne herrlich, ſo herrlich, als ſehe ſie kein Leid und keinen Schmerz; Alles blühete, grünte und duftete lebenskräftig umher, überall klangen Freudentöne,— und das junge, liebliche Mäd⸗ chen lag da mit dem Tode ringend. Oliyer ſchlich nach dem alten Kirchhofe, ſetzte ſich da auf einen grünen Grab⸗ hügel und weinte ſtill um ſie.

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