20 Oliver Twiſt.
„Du kannſt Dir nicht ſelbſt helfen. Ich habe viel fuͤr
Dich gekämpft, aber vergebens. Du biſt in ihrem Netze
unrettbar gefangen, und wenn Du auch einmal loskom⸗
men kannſt, jetzt iſt ſicherlich nicht die Zeit dazu.« Oliver ſah ihr ſehr überraſcht in das Geſicht. Sie
ſchien die Wahrheit zu ſagen; ihr Geſicht war bleich und
bewegt und ſie zitterte wirklich.
»Ich habe Dich einmal vor Mißhandlung geſchützt und ich werde es wieder thun, ich thue es jetzt,« fuhr das Mädchen laut fort;»denn hätten Dich Andere als ich abgeholt, ſo würden ſie viel rauher mit Dir verfahren ſein. Ich habe verſprochen, Du würdeſt ruhig ſein; biſt Du es nicht, ſo bringſt Du nicht bloß Dich, ſondern auch mich in Schaden und wirſt vielleicht mein Tod. Sieh her; alles dies habe ich bereits um Deinetwillen erduldet, ſo wahr als Gott mich jetzt ſieht.«
Sie zeigte auf einige blaue Flecke an ihrem Halſe und ihrem Arme, und fuhr dann ſehr ſchnell fort:
»Merke Dir das und laß mich jetzt nicht noch mehr für Dich leiden. Könnte ich Dir helfen, ſo würde ich es thun, aber ich vermag es nicht; ſie wollen Dir kein Leid thun, und Alles, was Du thun mußt, iſt Deine Schuld nicht. Still, immer ſtilll Jedes Wort von Dir iſt ein Schlag für mich; gieb mir Deine Hand, ſchnell! Deine Hand.«
Sie faßte Olivers Hand, die ihr derſelbe unwillkürlich reichte, löſchte das Licht aus und zog ihn die Treppe hinunter. Die Thür wurde von Jemandem ſchnell geöff⸗ net, der in der Dunkelheit nicht zu erkennen war, und ſchnell wieder verſchloſſen, ſobald ſie hindurch geſchritten waren. Ein Mietheabriolet wartete und das Mädchen hob ihn in daſſelbe hinein. Der Kutſcher wußte es ſchon,


