Teil eines Werkes 
2. Th. (1839)
Entstehung
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18 Oliver Twiſt.

ſich nehme, ſtatt ihn zu ſo entſetzlichen Verbrechen heran⸗ wachſen zu laſſen. Allmälig wurde er ruhiger, und er betete leiſe, Gott möge ihn aus ſeiner jetzigen Gefahr befreien, und, wenn Hülfe ſei für einen armen verſtoße⸗ nen Knaben, der nie die Liebe von Freunden und Ver⸗ wandten gekannt, ſie ihm jetzt ſenden, da er, troſtlos und verlaſſen, allein mitten unter Schandthat und Verbre⸗ chen ſtehe. Er hatte ſein Gebet geendigt, ſein Geſicht ruhete aber noch in ſeinen Händen, als ihn ein Raſſeln weckte. »Was giebt es?« rief er, indem er auffuhr und eine an der Thür ſtehende Geſtalt erblickte.»Wer iſt daoo »Ich bin es,« antwortete eine zitternde Stimme. Oliver hob den Leuchter empor und ſah nach der

Thür hin. Es war Jungfer Aennchen. 4 Setze das Licht nieder,« ſagte das Mädchen, das

Geſicht abwendend,»es blendet mich.« Oliver bemerkte, daß ſie ſehr blaß ausſah und fragte

theilnehmend, ob ſie krank ſei. Das Mädchen ſetzte ſich 1 auf einen Stuhl, den Rücken nach ihm hingewendet, und rang die Hände, antwortete aber nicht.

»Gott vergieb mirl« ſagte ſte endlich.»Daran dachte ich nie.«

»Iſt etwas geſchehen?« fragte Oliver.»Kann ich Ih⸗ nen helfen? Ich will es, wenn ich es kann, gewiß.«

Sie rückte hin und her, rang dann von neuem heftig ihre Hände, faßte ſich an die Kehle, gab einen gurgelnden Ton von ſich und ſchnappte nach Luft.

»Aennchen!« rief Oliver in hohem Grade erſchrocken.

»Was iſt Ihnen?«

Das Mäͤdchen brach nun in lautes Lachen aus, ſchlug die Hände auf ihre Kniee und ihre Füße auf den Boden,