16 Oliver Twiſt.
riſch und ſtill bis zum Abend, als er ſich anſchickte, aus⸗ zugehen.
»Du kannſt ein Licht brennen,⸗ ſagte der Inde, indem er ein ſolches auf den Tiſch ſtellte,»und da iſt ein Buch zum Leſen, bis man Dich abholt. Gute Nacht!«
»Gute Nacht, Sir,« antwortete Oliver ſanft.
Der Jude ging nach der Thüre zu, drehete ſich ein⸗ mal nach dem Knaben um, blieb dann plötzlich ſtehen und rief ihn bei ſeinem Namen.
Oliver ſah auf; der Jude deutete auf das Licht und winkte, er möge daſſelbe anbrennen. Dies that Oliver, und als er den Leuchter auf den Tiſch ſtellte, bemerkte er, daß der Jude ihn aus dem dunkeln Theile der Stube her mit zuſammengekniffenen Augenbrauen betrachte.
»Nimm Dich in Acht, Oliver, nimm Dich in Acht!l⸗ ſagte der Alte, indem er ſeine rechte Hand warnend vor ſich hin und her bewegte.»Er iſt ein roher, heftiger Mann und das Blut ihm gleichgültig, wenn es nicht ſein eigenes iſt. Was auch geſchieht, ſage nichts und thue, was er Dir heißt. Das merke.« Die letzten Worte be⸗ tonte er ſehr ſtark, dann gab er ſeinen Zügen ein gewiſ⸗ ſes geſpenſterhaftes Lächeln und verließ nickend das Gemach.
Oliver ſtützte den Kopf auf ſeine Hand, als der alte
Mann fortgegangen war, und dachte mit zitterndem Her⸗ zen über die Worte nach, die er eben gehört hatte. Je mehr er aber über die Ermahnung des Juden nachdachte, um ſo weniger wollte es ihm gelingen, die Bedeutung derſelben und ihren Zweck zu errathen. Zuletzt blieb er bei der Muthmaßung ſtehen, er werde irgend eine gemeine Arbeit bei dem Räuber verrichten ſollen, bis man einen andern Burſchen finde, der ſich beſſer dafür eigene als er. Er war an Leiden zu ſehr gewöhnt, und hatte da, wo


