Oliver Twiſt. 179
nung aus, er werde nie in die Nothwendigkeit verſetzt werden, auch Oliver Twiſt dieſer unangenehmen Opera⸗ tion zu unterwerfen..
Das Blut des kleinen Olivers rann eiskalt durch ſeine Adern, als er die Worte des Juden anhörte, und verſtand nur unvollkommen die Drohungen in denſelben; daß ſelbſt die Juſtiz den Unſchuldigen mit dem Schuldi⸗ gen verwechſeln könne, wenn er ſich in der Geſellſchaft deſſelben befinde, wußte er bereits, und daß ſchlau ange⸗ legte Pläne zur Vernichtung von Perſonen, die wußten, was ſie nicht wiſſen ſollten, und mehr ſagten, als man wollte, von dem alten Juden bereits mehr als einmal erſonnen und in Ausführung gebracht worden, hielt er durchaus nicht für unwahrſcheinlich, wenn er an den Streit zwiſchen demſelben und Sikes dachte, welcher ſich auf eine frühere Verſchwörung dieſer Art zu beziehen ſchien. Als er ſchüchtern aufſah und dem durchbohren⸗ den Blicke des Inden begegnete, fühlte er, daß der ſchlaue Böſewicht ſeine Bläſſe und ſein Zittern nicht ohne Vergnügen bemerke.
Der Iude lachte häßlich, klopfte Oliver auf den Kopf und ſagte, wenn er ruhig und fleißig ſei, würden ſie ge⸗ wiß einmal noch recht gute Freunde werden. Dann nahm er ſeinen Hut, zog einen alten geflickten Ueberziel⸗ rock an, ging fort und ſchloß die Thür hinter ſich zu.
So blieb Oliver den ganzen Tag und den größten Theil vieler folgender Tage eingeſchloſſen, ſah zwiſchen früh und Mitternacht Niemanden, und konnte ſich die langen Stunden hindurch ungeſtört mit ſeinen Gedanken beſchäftigen, die allerdings ſehr traurig waren, da ſie ſich ſtets zu ſeinen gutherzigen Freunden und der Meinung wendeten, welche dieſelben von ihm gefaßt haben müß⸗
12*


