Sliver Twiſt. 177
kann nicht ſein? Wir haben eben eine vollſtändige Schilderung von ihm, von ſeiner Geburt an gehört; er war ein kleiner Böſewicht ſein Leben lang.«
„Ich werde es nie glauben,« betheuerte die alte Frau.
»Ihr alten Weiber glaubt nichts, als was Euch alberne Lügenbücher ſagen,« brummte Herr Grimwig. „Ich wußte es längſt. Warum ließen Sie ſich nicht gleich im Anfange rathen; Sie würden es auch gethaͤn haben, hätte er nicht das Fieber gehabt, nicht wahr? Er war intereſſant, he? Intereſſant! bah!«— und Herr Grimwig ſchwang die Kohlenſchaufel, um die Koh⸗ len umzuwenden.
„Es war ein liebes, dankbares, fanftes Kind, Sir,« entgegnete Frau Bedwin unwillig.»Ich weiß, was Kinder ſind, Sir, und habe es vierzig Jahre gewußt; Leute, die nicht daſſelbe ſagen können, ſollten gar nicht von Kindern reden wollen; das iſt meine Meinung.«
Das war ein derber Stich auf den Herrn Grim⸗ wig, einen Hageſtolz; da derſelbe aber bloß lächelte, ſo ſchüttelte die Frau ihren Kopf, ſtrich ihre Schürze glatt und wollte weiter reden, aber Brownlow ſagte, indem er ſich böſe ſtellte, ohne daß er es war:
»Still! Laſſen Sie mich den Namen des Jungen nie wieder hören; ich klingelte, um Ihnen dies zu ſa⸗ gen. Nie— nie, unter keinem Vorwande, vergeſſen Sie das nicht. Jetzt können Sie gehen, Frau Bedwin. Merken Sie es ſich; ich ſpreche im Ernſt.«
Es gab dieſe Nacht betrübte Herzen in dem Hauſe Brownlows. Oliver weinte, als er an ſeine gutmüthi⸗ gen Freunde dachte, aber es war zut für ihn, daß er nicht wußte, was ſie gehört hatten, ſein Herz wüude debrochen ſein. 1
Oliver Twiſt. I. 12


