N
Otiver Twiſt. 169
mit einnehmendem Lächeln;»ich hoffe, Sie befinden ſich recht wohl.«
»So, ſo, Frau Mann,“« antwortete der Vogt. »Das Leben eines ſtädtiſchen Beamten iſt kein Roſen⸗ blatt, Fran Mann.«
»Freilich nicht, Herr Bumble,« erwiederte die Frau.
»Ein ſolches Leben Madame,« fuhr Herr Bumble fort,»iſt eine Reihe von Sorgen, Mühen und Arbeit; aber alle öffentlichen Perſonen müſſen ſich dem ausſetzen.⸗
Frau Mann, die nicht recht wußte, was der Vogt ſagen wollte, hob die Augen gen Himmel und ſeufzte.
»Sie haben Recht, wenn Sie ſeufzen, Frau Mann,“ meinte der Vogt.
Da Frau Mann hörte, daß ſie Recht gehandelt hatte, ſo ſeufzte ſie noch einmal, offenbar zur Zufrie⸗ denheit der öffentlichen Perſon, die ein ſelbſtgefälliges Lächeln bei einem Blicke auf den dreieckigen Hut un⸗ terdrückte und hinzuſetzte:»Frau Mann, ich reiſe nach London.«
»Ach, Herr Bumble!“« rief Frau Mann verwundert.
»Nach London, Madame,“« wiederholte der Vogt, »und mit der Landkutſche, ich und zwei Arme, Frau Mann. Es iſt eine wichtige Sache vor den vierteljäh⸗ rigen Gerichtsſitzungen abzumachen, und die Arbeits⸗ hausvorſteher haben mich als Zeugen dahingeſchickt. Das Gericht wird ſich nicht zurecht finden, ehe es mich an⸗ gehört hat.«
Frau Mann hörte mit großer Ehrfurcht Herrn Bumble ſo von ſeiner Wichtigkeit ſprechen, und fragte endlich:»Sie reiſen mit der Landkutſche? Ich glaubte, die Armen würden immer im Karren fortgebracht.«
»Bloß wenn ſie krank ſind, Frau Mann,“ erklärte Bunble.„Wir ſetzen die kranken Armen auf offene
9


