162 Oliver Twiſt.
ganz bleich vor Wuth, ſah ſie abwechſelnd den Juden und den andern Räuber an.
»Ja, Aennchen,« ſagte der Inde in beſaͤnftigendem Tone nach einer Pauſe, in welcher er und Sikes ein⸗ ander verlegen angeſehen hatten,»Du übertriffſt Dich heute ſelbſt. Du mußt auf das Theater gehen; Du ſpielſt gar zu ſchön.«
»Ich ſage es Euch, bleibt von mir, oder es wird Euch gereuen,“ entgegnete das Mädchen.
Es liegt etwas in einem aufgebrachten Weibe, be⸗ ſonders wenn zu den andern heftigen Leidenſchaften deſ⸗ ſelben die Verzweiflung kommt, das kein Mann gern redet. Der Jude erkannte, daß es hoffnungslos ſei, an des Mädchens wirklichem Zorne zweifeln zu wollen, trat alſo unwillkürlich einige Schritte zurück und warf Sikes einen halb bittenden, halb feigen Blick zu, als wolle er ſagen, er, Sikes, könne eher das Geſpräch fortſetzen.
Sikes, der auf dieſe Weiſe aufgefordert war und auch wohl glaubte, es zieme ſeinem Stolze und ſeinem Einfluſſe, das Mädchen augenblicklich wieder zur Ver⸗ nunft zu bringen, donnerte ein paar Dutzend Flüche und Drohungen hervor, deren ſchnelle Aufeinanderfolge ſeiner Erfindungskraft alle Ehre machte. Da dieſelben aber keinen ſichtbaren Eindruck auf den Gegenſtand machten, gegen welchen ſie gerichtet waren, ſo nahm er ſeine Zuflucht zu handgreiflicheren Beweiſen.
»Was ſoll das heißen?« rief er, und unterſtützte die Frage durch eine ſehr gewöhnliche Verwünſchung des ſchönſten Theiles des menſchlichen Geſichtes; die, menn ſie oben unter funfzigtauſend Malen nur ein einziges
Mal erhört würde, Blindheit ſo häufig machen würde,
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