Teil eines Werkes 
1. Th. (1839)
Entstehung
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156 Oliver Twiſt.

»Ja, an weiter denkt Ihr Frauenzimmer nichts,⸗ antwortete Sikes,»hübſche junge Burſche! Sie ſind ſo gut als todt.«

Mit dieſer Tröſtung ſchien Sikes einen Anfall von Eiferſucht zu erſticken; er faßte Olivers Hand feſter und befahl ihm, weiter zu gehen.

»Warte nur eine Minute!« fiel das Madchen ein; vich mochte nicht vorbeigehen, Sikes, als Du den näch⸗ ſten Morgen um acht Uhr ſollteſt gehenkt werden. Ich ging da hin und her, bis ich liegen blieb; es hatte ge⸗ ſchneiet und ich hatte keinen Shawl.«

»Was konnte das helfen?« fragte der unſentimentale Sikes.»Konnteſt Du mir keine Feile und zwanzig Ellen eines tüchtigen Taues ſchaffen, ſo brauchteſt Du gar nicht herzugehen oder konnteſt funfzig Meilen davon ſein. Komm fort und predige nicht.«

Das Mädchen lachte, zog den Shawl feſter um ſich, und ſie gingen weiter, aber Oliver fühlte, daß ihre Hand zitterte, und ſah, als er ihr bei einer Gaslampe in das Geſicht blickte, daß ſie todtenblaß geworden war.

Sie gingen in wenig beſuchten Straßen und ſchmu⸗- tzigen Gaſſen noch eine volle halbe Stunde weiter und begegneten ſehr wenig Perſonen, denn es regnete nun ſtark, und die Leute, welche ſie erblickten, ſchienen derſel⸗ ben Klaſſe anzugehören, wie Sikes. Endlich gelangten ſie in eine ſehr ſchmutzige enge Gaſſe, die ganz voll von Trödelbuden war; der Hund lief voraus, als wiſſe er, daß er nun nicht mehr aufzupaſſen brauche, und blieb an der Thüre eines verſchloſſenen Ladens in einem ſehr bau⸗ fälligen Hauſe ſtehen, an welchem ein Schildchen mit der Anzeige befeſtigt war, daß es zu vermiethen ſei.

»Alles gut!« ſagte Sikes, indem er ſich vorſichtig umſah. 6