Teil eines Werkes 
1. Th. (1839)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Oliver Twiſt. 151

wieder an den Tiſch, wo er bald in tiefe Gedanken ver⸗ ſank.

Oliver Twiſt, dem es nicht in den Sinn kam, daß er ſich in ſo geringer Entfernung von dem luſtigen alten Herrn befinde, wanderte unterdeß der Bücherbude zu. Unverſehens bog er in ein Seitengäßchen ein und ging die Hälfte deſſelben hin, ehe er bemerkte, daß er auf fal⸗ ſchem Wege ſei; da er ſich jedoch beſann, daß er rechts gehen müſſe, ſo hielt er es für unnöthig, wieder umzu⸗ kehren, ſondern ſchritt ſo ſchnell, als es ihm möglich war, mit den Büchern unter dem Arme weiter.

Er dachte eben über die glückliche Veränderung ſei⸗ nes Schickſales nach, und erinnerte ſich an ſeinen klei⸗ nen Freund in dem Arbeitshauſe, der vielleicht hungerig und geſchlagen auf dem Krankenlager liege oder gar ge⸗ ſtorben ſei, als eine weibliche Stimme dicht neben ihm ausrief:»Ach, mein lieber Bruder!« und gleich darauf zwei Arme ſich feſt um ſeinen Hals ſchlangen.

»Laſſen Sie los, laſſen Sie mich gehen!« rief Oli⸗ ver, indem er ſich loszumachen ſuchte.»Wer iſt es denn? Warum halten Sie mich auf?«

Die einzige Antwort darauf war eine Fluth von lau⸗ ten Klagen des jungen Mädchens, das ihn umarmt hielt und ein Körbchen nebſt einem Schlüſſel in der Hand hatte.

»Ach, lieber Himmel!« rief das Mädchen aus,»ich habe ihn gefunden! Ach Oliver, Oliver! Du böſer Oliver kannſt mir den Schmerz verurſachen! Komm nach Hauſe, Lieber, komm. Ach, ich habe ihn gefunden, Dank, gü⸗ tiger Himmel, ich habe ihn gefunden!« Und das Mäd⸗ chen fing jämmerlich an zu weinen und geberdete ſich ſo heftig, daß ein Paar Weiber, die hinzutraten, einen Flei⸗ ſcherburſchen mit fettigem Haar, der ebenfalls einen Zu⸗

3 8

;:OO:OxꝛäÃ:;