Teil eines Werkes 
1. Th. (1839)
Entstehung
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Oliver Tw iſt. 145

der ſchlechte Character jenes Menſchen bekannt und ſeine Liederlichkeit zum Sprichwort geworden, ſo glauben die Leute, wir hätten in großer Uneigennützigkeit Gutes thun wollen, wären aber in Folge ſchwarzen Undanks menſchenfeindlich geſinnt worden, und hätten, was wir ſelbſt am meiſten bereueten, ein vorſchnelles und feierli⸗ ches Gelübde gethan, nie wieder einem Manne, einer Frau oder einem Kinde, zu helfen, damit wir nicht von

neuem betrogen würden. Ich kenne viele Perſonen, die

ſich in einer von dieſen beiden Lagen befinden, und ich kann verſichern, ſie genießen die größte und allgemeinſte Achtung unter allen meinen Bekannten.

Da jedoch Brownlow keiner von dieſen Leuten war, hartnäckig dabei blieb, Gutes bloß um des Guten ſelbſt und der Genugthuung willen zu verrichten, welche ihm ſein Herz gab; da er durch keinen Mißgriff zu entmuthi⸗ gen war und nie die Undankbarkeit eines Einzelnen ihn verleiten konnte, ſich an dem ganzen menſchlichen Ge⸗ ſchlechte zu rächen, ſo will ich mich hier in keine ſolche Abſchweifung einlaſſen. Iſt dies kein zureichender Grund für dieſen meinen Vorſatz, ſo habe ich einen triftigern und wirklich gar nicht zu widerlegenden bereits angege⸗ ben, nämlich, daß es gar nicht in meinem Plane liegt, ſo etwas zu thun.

In einer dunkeln Gaſtſtube eines gemeinen Wirths⸗

hauſes in dem ſchmutzigſten Theile von Little Saffron

Hill, einem düſtern finſtern Platze, wo im Winter den ganzen Tag hindurch ein blendendes Gaslicht brannte und im Sommer nie ein Sonnenſtrahl ſich zeigte, ſaß, über einem kleinen zinnernen Kruge und einem klei⸗ nen Branntweinglaſe brütend, ein Mann in einem Man⸗ cheſterrocke, grauen kurzen Beinkleidern, Halbſtiefeln und Strümpfen, den ſelbſt in dieſem düſtern Lichte jeder nur Oliver Twiſt. I. 10