134 Oliver Twiſt,
merkſam, mein Sohn, auf das, was ich Dir ſagen will. Ich will ohne Rückhalt mit Dir ſprechen, weil ich glaube, Du wirſt mich ſo gut verſtehen, als manche ältere Perſonen.«.
»Ach, lieber guter Herr, ſagen Sie mir nicht, daß Sie mich fortſchicken wollen,« fiel Oliver ein, beunruhigt von dem ernſten Tone des alten Herrn,»ſtoßen Sie mich nicht aus Ihrem Hauſe wieder hinaus auf die Straße. Behalten Sie mich und laſſen Sie mich Ih⸗ nen dienen. Schicken Sie mich nicht wieder an den ſchrecklichen Ort, von dem ich komme. Ach, haben Sie Mitleiden mit einem armen Knaben, Sir.«
„Mein lieber Sohn,« antwortete der alte Herr, gerührt von der warmen Bitte Olivers,»Du brauchſt nicht zu fürchten, daß ich Dich verlaſſe, ſo lange Du mir keine Veranlaſſung dazu giebſt.«
„Das will ich nie, nie,« fiel Oliver eitr.
»Ich hoffe es,« fuhr der alte Herr fort.»Zwar bin ich von den Perſonen, denen ich mein Wohlwollen zuwendete, oft hintergangen worden, doch glaube ich, Dir vertrauen zu können, und nehme innigern Antheil an Dir, als ich mir ſelbſt erklären kann. Die Perſonen, die meine innigſte Liebe beſaßen, ruhen im Grabe, aber obgleich das Glück und die Freude meines Lebens mit ihnen begraben ſind, iſt doch mein Herz ſelbſt noch nicht eingeſargt und für meine beſten Gefühle nicht verſchloſ ſen. Tiefe Trauer hat dieſelben nur ſtärker gemacht und ſo muß es wohl ſein, damit unſere Natur geläu tert werde.«
Während der alte Herr dies leiſe und mehr für ſich
als zu Oliver ſprach, und dann eine kurze Zeit darauf
ſchweigend daſaß, rührte ſich der Knabe nicht und wagte
kaum zu athmen.
———


