„»Hörſt Du, iederholte Noah Clay⸗ pole.
»Lieber Noah, Schehn,“ ſagte Charlotte,»laß doch den Inngen in Frieden.“
»Es läßt ihn ja alle Welt in»Frieden.“ Weder ſein Vater, noch ſeine Mutter bekümmert ſich um ihn; alle ſeine Verwandten laſſen ihn in Rühe. He, Char⸗ lotte?«
Charlotte lachte und Noah ſtimmte mit ein; dann ſahen ſie Beide ärgerlich nach dem armen Oliver Twiſt, der vor Froſt zitternd mit dem Schachteldeckel in dem kälteſten Winkel der Küche ſaß und aß, was Niemand mochte und für ihn aufgehoben worden war.
Noah war zwar aus einem Armenhauſe, aber keine Arbeitshaus⸗Waiſe, kein Kind ohne Aeltern und Freun⸗ de, denn er kannte die erſteren wohl; ſeine Mutter war eine Waſchfrau und ſein Vater ein immer betrun⸗ kener Soldat, der den Abſchied mit einem hölzernen Beine und einer Penſion von täglich einundzwanzig Pfennigen erhalten hatte. Die Knaben in der Nach⸗ barſchaft hatten Noah längſt ſeine Armuth mit Schimpf⸗ reden vorgeworfen, dieſer aber ertrug ſie ohne Antwort. Jetzt, als das Schickſal ihm eine namenloſe Waiſe in den Weg geführt hatte, die ſelbſt der niedrigſte ſchmä⸗
hen konnte, übte er ſchreckliche Wiedervergeltung an
dem Armen. Dies giebt Stoff genng zum Nachdenken und zeigt uns, was für eine ſchöne Sache die menſch⸗ liche Natur iſt und wie unparteiiſch dieſelben liebens⸗ würdigen Eigenſchaften in dem reichſten Lord und in
. dem ſchmutzigſten Armenjungen entwickelt werden.
iver war in dem Hauſe des Leichenbeſtatters drei
r Wochen geweſen, als Herr und Madame Sower⸗
nach dem Feierabende in ihrem Hinterſtübchen 4*


