Teil eines Werkes 
1. Th. (1839)
Entstehung
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A ooch ſtärker geſchrieen haben.

inmal an dem Bette zübſches Mädchen; wo⸗

her kam ſie?« 4

»Sie wurde vorige Nacht hierhergebracht,« ant⸗ wortete die alte Frau.»Man hatte ſie auf der Straße gefunden. Sie mußte eine ziemliche Strecke gegangen ſein, denn ihre Schuhe waren zerriſſen; aber woher ſie kam und wohin ſie wollte, weiß Niemand.«

Der Arzt bog ſich über den Leichnam und hob die linke Hand empor.»Die alte Geſchichte,« ſagte er kopfſchüttelnd, vich ſehe keinen Trauring. Gute Nacht!«

Der Arzt entfernte ſich; die Wärterin griff noch einmal nach dem grünen Fläſchchen, ſetzte ſich dann auf einen niedrigen Stuhl vor dem Feuer, und fing an das Kind zu wickeln und anzukleiden.

Was die Kleidung vermag, zeigte ſie auffallend an dem jungen Oliver Twiſt. In der Decke, in welcher er bis dahin eingewickelt geweſen war, hätte er das Kind eines Edelmannes wie eines Bettlers ſein können; es würde dem ſtolzeſten Fremden ſchwer geworden ſein, den Rang des Kindes in der Geſellſchaft zu beſtimmen. Jetzt aber, als er in das alte Kattunkleidchen gehüllt war, das in demſelben Dienſte gelb geworden, war er bezeichnet und ſank mit einem Male zu ſeiner Stelle herab als Gemeindekind, die Waiſe eines Arbeits⸗ hauſes, ein armes, zum Hungern beſtimmtes elendes Geſchöpf, das durch die Welt geſtoßen, von allen ver⸗ achtet und von Niemandem bemitleidet wird.

Oliver ſchrie luſtig. Hätte er es ſchon gewußt, daß er eine Waiſe und der Gnade der Kirchenvorſteher und Arbeitshausauſſeher überlaſſen ſei, würde er vielleicht