gen getrunken hatte,„Gott behüte!— Wenn ſie erſt ſo lange gelebt wie ich, Herr Doctor, und dreizehn Kin⸗ der gehabt, die alle geſtorben ſind, bis auf zwei, welche bei mir im Arbeitshauſe ſind, ſo wird ſie ſchon anders denken lernen, Gott behüte ſie! Denk, was eine Mut⸗ ter iſt; da liegt das liebe Lämmchen!«
Allem Anſcheine nach brachte die tröſtliche Verwei⸗ ſung auf die Mutterpflichten den gewünſchten Eindruck nicht hervor. Die Kranke ſchüttelte ihr Haupt und ſtreckte die Hand nach dem Kinde aus.
Der Arzt legte ihr daſſelbe an die Bruſt. Sie
drückte leidenſchaftlich ihre weißen Lippen auf des Kin⸗
des Stirn, ſtrich mit der Hand über ihr Geſicht, blickte ſtier um ſich, ſchauerte zuſammen, ſank zurück— und ſtarb. Man rieb ihr die Bruſt, die Hände und die Schläfe, aber das Blut war für immer geronnen. Man ſprach von Hoffnung, aber Hoffnung war ihr längſt ſchon ein Fremdling geweſen.
„»Es iſt vorbei, Frau Thinzumy,« bemerkte endlich der Arzt.
»Ja wohl, das arme Ding!« erwiederte die Wär⸗ terin, indem ſie den Stöpſel von dem grünen Fläſchchen aufhob, der ab⸗ und auf das Bett gefallen war, als ſie ſich bückte, um das Kind von dem Leichnam wegzuneh⸗ men.»Armes Ding!«
»Man braucht nicht zu mir hinaufzuſchicken, wenn das Kind ſchreiet,« fuhr der Arzt fort, indem er be⸗ dächtig ſeine Handſchuhe anzog.»Wahrſcheinlich wird
des unruhig ſein. Gebt ihm in dieſem Falle etwas Ha⸗ fergrützenſchleim.« Er ſetzte den Hut auf, blieb auf
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