auf einer ec cht im Gleichgewichte zwiſchen dieſer Welt und der nächſten, da die Wage ſich offenbar nach der letztern hinneigte. Wäre Oliver in dieſer Zeit von beſorgten Großmüttern, ängſtlichen Tan⸗ ten, erfahrenen Wärterinnen und gelehrten Aerzten um⸗ geben geweſen, ſo hätten ſie ihn unvermeidlich und ohne Zweifel umgebracht. Hier indeſſen war Niemand bei ihm als eine arme alte, durch den ungewohnten Ge⸗
nuß einer Ertraration Bier ziemlich beuebelte Frau
und ein Armendoctor, der ſolche Dinge in Folge eines Contractes that, und ſo kämpften Oliver und die Na⸗ tur die Streitſache allein mit einander aus. Die Folge davon war, daß Oliver nach einigen Anſtrengungen athmete, nieſete und den Bewohnern des Arbeitshauſes Heine neue Laſt für das Kirchſpiel durch ſo lautes Ge⸗ ſchrei anmeldete, als man nur immer von einem Kna⸗ ben erwarten kann, der das nützliche Werkzeug, eine Stimme, noch nicht länger als etwa drei Minuten beſitzt.
Als Oliver dieſes erſte Zeichen von dem freien und eigenen Gebrauche ſeiner Lunge gab, bewegte ſich die vielfach geflickte Decke, welche über die eiſerne Bettſtelle gebreitet war; ein bleiches, jugendliches, weibliches Ge⸗ ſicht erhob ſich langſam von dem Kiſſen, und eine ſchwache Stimme ſprach kaum vernehmlich die Worte: »Laßt mich das Kind ſehen und dann ſterben!«
Der Arzt hatte mit dem Geſichte nach dem Feuer zu geſeſſen, und abwechſelnd ſeine Hände daran gehalten und dann an einander gerieben; als er aber jene Worte hörte, ſtand er auf, trat an das Bett und ſprach ſanf⸗ ter und freundlicher, als man wohl von ihm erwartet hätte:
»Sie dürfen noch nicht vom Sterben reden.«
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