190 Die Pickwicker. anderen Richtung ſich hinwendend, und durch ſeine frohen
und heiteren Blicke alle Andern noch mehr zum Frohſinn
und zur Heiterkeit belebend.
Als gemeldet wurde, das Frühſtück ſei bereit, führte Herr Pickwick die alte Dame(welche äußerſt redſelig über das Thema:»Lady Tollninglober« geſprochen hatte) hin⸗ auf, und ließ ſie oben an der langen Tafel Platz nehmen, und Wardle unten; die übrigen Gäſte ſetzten ſich in bun⸗ ter Reihe. Sam nahm ſeine Stellung hinter dem Stuhl ſeines Herrn; das Geplauder und Gelächter ward unter⸗ brochen, und Herr Pickwick ſprach das Tiſchgebet, ſchwieg darauf ein paar Augenblicke, und ſchaute umher— und die Thränen liefen ihm in der Fülle ſeiner Seligkeit über die Wangen hinab.
Laßt uns nun von unſerm alten Freunde ſcheiden in einer jener Stunden ungetrübten Glückes, von denen uns, wenn wir ſie nur ſuchen, in unſerm flüchtigen, irdi⸗ ſchen Daſein doch ſo manche beſchieden ſind. Das Erden⸗ leben hat ſeine finſtern Schatten, aber die Lichtpartien werden durch den Gegenſatz nur noch mehr hervorgehoben. Es giebt Menſchen, die, gleich den Fledermäuſen und Eulen, beſſere Augen für die Finſterniß haben, als für das Licht; wir, deren Sehorgane anders beſchaffen ſind, werfen lieber auf die Geſtalten unſerer Phantaſie, die uns in ſo vielen einſamen Stunden umſchweben, den letzten Scheideblick in ſolchen Momenten, wenn der volle Sonnenſchein und Glanz des irdiſchen Glückes ſie beleuchtet.
Es iſt das Loos der meiſten Menſchen, die ein thä⸗ tiges Leben in der Welt führen, und ein höheres Alter erreichen, ſich manche wirkliche Freunde zu erwerben,
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