188 Die Pickwicker.
merkſamkeit noch ein halbes Dutzend Arzneiflaſchen, die ſie unterwegs auszutrinken hatte.
Zu allen Aufträgen, die der alte Wardle übernom⸗ men hatte, kam noch der hinzu, daß ihm zwei Briefchen an zwei junge Dämchen anvertraut worden, welchen die Rolle der Brautjungfern zugedacht waren. Die Dämchen
geriethen durch den Empfang der Briefchen in nicht ge⸗
ringe Verlegenheit, und jammerten, daß ſie für den ſo
wichtigen Tag gar keine Sachen in Bereitſchaft hätten,
und auch bei der kurzen Friſt dergleichen nicht mehr her⸗ beiſchaffen könnten— ein Umſtand, der den beiden wür⸗ digen Papa's der Dämchen eher erfreulich, als unerfreu⸗ lich ſein mochte. Indeß wurden alte Kleider geändert und neu verziert, und die jungen Damen ſahen ſo gut aus, als möglicher Weiſe von ihnen erwartet werden konnte, und da ſie bei der Trauung immer zur rechten Zeit und bei den geeigneten Stellen weinten und zitterten, ſo ent⸗ ging ihnen nicht die Bewunderung aller Zuſchauer.
Wie die armen Verwandten nach London gelangten, ob ſie gingen, ritten oder fuhren, oder ſich einander tru⸗ gen, iſt unbekannt, nur ſo viel iſt gewiß, daß ſie noch vor Wardle eintrafen, und die Erſten waren, welche am Hochzeitsmorgen mit dem heiterſten Lächeln an Herrn Pickwicks Hausthür klopften.
Sie wurden herzlich empfangen; denn Reichthum oder Armuth hatten keinen Einfluß auf Herrn Pickwick. Die neuen Domeſtiken waren äußerſt dienſtbefliſſen; Sam befand ſich in der munterſten Laune von der Welt, und Mary erglänzte von Schönheit und bunten Bändern.
Der Bräutigam, der die letzten drei oder vier Tage in dem Hauſe ſeines ehemaligen Vormundes gewohnt hatte, fuhr, ſtattlich angethan und in Begleitung der


