Die Pickwicker. 2⁰9
Mann nahm eine warnende Priſe, und ſchüttelte bedenk⸗ lich den Kopf. 4
„Sie vergeſſen nur, meine Liebe, daß ich ein Ge⸗ fangener bin,« ſagte Herr Pickwick, ſich zu Arabellen wendend, mit milder Freundlichkeit.
„Nein, mein theurer Herr Pickwick,« entgegnete Arabella,»ich vergaß es nicht; habe immer daran ge⸗ dacht, was Sie in dieſem abſcheulichen Gefängniß leiden mußten, aber ich hoffte immer, Ihre Fürſorge für unſer Glück würde Sie vermögen zu thun, wozu keine Rück⸗ ſicht für Sie ſelbſt Sie bisher bewegen konnte. Wenn Sie meinen Bruder zuerſt von meinem Schritt benach⸗ richtigen, ſo bin ich überzeugt, daß wir uns wieder ver⸗ ſöhnen werden. Nur der einzige Bruder iſt mir von allen meinen Verwandten geblieben, und wenn Sie ſich nicht meiner annehmen, Herr Pickwick, ſo muß ich fürch⸗ ten, auch ihn für immer zu verlieren.— Ich habe unrecht gehandelt— ich weiß es, ſehr, ſehr unrecht,« und die arme Arabella hielt ihr Taſchentuch vor die Augen, und weinte bitterlich.
Ihre Thränen erſchütterten Herrn Pickwick nicht wenig, als ſie aber, ihre Augen trocknend, in den ſüße⸗ ſten Tönen einer ſehr ſüßen Stimme ihn mit den ſüßeſten Schmeichelworten beſtürmte, wurde er ſehr ergriffen und offenbar zweifelhaft, was er thun ſollte, wie daraus her⸗ vorging, daß er ſeine Brillengläſer und ſeine Naſe ab⸗ wechſelnd und bedächtig rieb. Perker ſuchte ſogleich Vortheil aus dieſen Symptomen der Unentſchiedenheit zu ziehen. Er entwickelte mit Juriſten⸗Scharfſinn und Gewandtheit(da es ihm bedünkte, als ſei das junge Paar eben erſt in der Stadt angekommen), daß der Vater des Herrn Winkle mit dem raſchen Entſchluß
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