Die Pickwicker. 193
Die wahrhafte Geſchichte vom Prinzen Bladud.
»Vor nicht ganz zweihundert Jahren las man über einem der öffentlichen Bäder dieſer Stadt eine jetzt nicht mehr vorhandene Inſchrift von dem Stifter derſelben, dem berühmten Prinzen Bladud.
»„Seit vielen hundert Jahren war die Sage über⸗ liefert worden, der durchlauchte Prinz habe, weil er mit dem Ausſatz behaftet geweſen, nach ſeiner Rückkehr von dem alt⸗ehrwürdigen Athen, wo er eine reiche Ernte von Kenntniſſen eingeſammelt, den Hof ſeines königlichen Vaters gemieden, und trübſinnig unter Hirten und Säuen gelebt. Bei der Heerde befand ſich(ſo erzählte die Sage) ein Schwein von ernſten und feierlichen Mienen, weßhalb der Prinz mit ihm ſympathiſirte— denn auch er war ernſt und melancholiſch— ein Schwein von nachdenken⸗ dem und zurückhaltendem Weſen, allen andern Schweinen weit überlegen, deſſen Grunzen ſchrecklich und deſſen Biß gefährlich war. Der junge Prinz ſeufzte tief, wenn er das majeſtätiſche Thier anſchaute. Dieſes kluge Schwein badete ſich gern in tiefem Schlamm, doch nicht im Sommer, was gewöhnliche Schweine noch jetzt thun, um ſich abzukühlen, und ſchon in jenen entfernten Zeiten thaten(welches ein Beweis iſt, daß das Licht der Civi⸗ liſation bereits damals, wenn auch erſt ſchwach, ſich zu entzünden begonnen hatte), ſondern in den kälteſten Wintertagen. Das Schwein hatte immer ein ſo reines
Fell, und ſah ſo geſund und munter aus, daß der Prinz
beſchloß, die reinigenden Kräfte deſſelben Schlammes zu erproben.— Unter dieſem ſchwarzen Schlamm ſprudel⸗ ten die heißen Quellen von Bath.— Er badete und
ward vom Ausſatz befreit.— Er eilte an den Hof Die Pickwicker. IV. 13


