174 Die Pickwicker.
Tagen, Sammelplätze für dieſelben waren, die aber jetzt ſo zurückgekommen ſind, daß ſie meiſt nur noch von Frachtfuhrleuten beſucht werden. Der Leſer würde ver⸗ geblich einige von dieſen alten Wirthshäuſern unter den „goldenen Kreutzen und Löwen und Ochſen« aufſuchen, deren Schilde die Hauptſtraßen von London zieren. Um ſie aufzufinden, muß er ſich zu den entlegneren Stadtthei⸗ len wenden, und dort wird er ſie hier und da noch in verborgenen Winkeln finden, wo ſie durch ihr düſteres altväteriſches Anſehen mitten unter ſtattlichern Gebäuden, welche ſie umgeben, ſich bemerkbar machen!
Beſonders in der Borough iſt etwa noch ein halbes Dutzend dieſer Wirthshäuſer unverändert der modernen Verſchönerungs⸗ und Spekulationsſucht entgangen. Es ſind große wunderliche alte Gebäude mit Gallerien und einem Labyrinth von Treppen und Gängen, breit und alterthümlich genug, um Stoff zu hundert Spuck⸗ und Spenſtergeſchichten zu geben, wenn wir je in die traurige Nothwendigkeit verſetzt ſein ſollten, deren erfinden zu müſſen.
In dem Hofe eines dieſer Wirthshäuſer— keines
geringerm als der»weiße Hirſch«— war früh am Mor⸗ gen, nach den in dem letzten Kapitel berichteten Ereig⸗ niſſen, ein Mann eifrig beſchäftigt, ein Paar Stiefel zu reinigen. Er trug eine grobe geſtreifte Weſte mit ſchwar⸗ zen Kaliko⸗Aermeln und blauen Glasknöpfen, graugelbe Tuchhoſen und Kamaſchen, ein ſehr kunſtlos geknüpftes rothes Tuch um den Hals und einen alten weißen Hut nachläſſig auf der einen Seite des Kopfes. Es ſtanden zwei Reihen Stiefel vor ihm, eine gereinigte und eine ungereinigte und bei jeder Verlängerung der erſtern hielt er etwas mit der Arbeit inne, um die Früchte ſeines Fleißes mit unverkennbarem Vergnügen zu betrachten.
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