Teil eines Werkes 
10. Th. (1857)
Entstehung
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Die Stunde naht. 23

Er kennt mich aber nicht.

Glauben Sie, daß er darauf Etwas gibt, Sie einge⸗ bildete Frau? ſagte Mr. Flintwinch.

Ich ſage Ihnen, Flintwinch, ich will ſprechen. Ich ſage Ihnen, wenn es einmal ſo weit gekommen iſt, ſo will ich es mit eignem Munde erzählen und mich ganz und überall aus⸗ ſprechen. Was, habe ich in dieſem Zimmer nichts erduldet, keine Entbehrung, keine Einkerkerung, daß ich mich zuletzt erniedrigen ſollte, mich in einem Spiegel, wie dieſer iſt, zu betrachten! Können Sie ihn ſehen? Können Sie ihn hö⸗ ren? Wäre Ihre Frau hundertmal ſo undankbar als ſie iſt, und hätte ich tauſendmal weniger Hoffnung, ſie zum Schwei⸗ gen zu bewegen, wenn dieſer Mann zum Schweigen gebracht iſt, ſo würde ich es lieber ſelbſt erzählen, als daß ich die Qual trüge, es von ihm zu hören.

Rigaud ſchob ſeinen Stuhl ein Wenig zurück, ſtreckte die Beine gerade vor ſich aus und ſaß, die Arme übereinander⸗ geſchlagen, ihr gegenüber.

Sie wiſſen nicht, was es heißt, fuhr ſie zu ihm ge⸗ wendet fort,rechtlich und ſtreng erzogen werden. Ich wurde ſo erzogen. Ich hatte keine muntere Jugend voll ſündlicher Heiterkeit und ſündlichem Vergnügen. Meine Jugend waren Tage heilſamen Zwanges, heilſamer Strafe und Furcht. Die Verderbniß unſerer Herzen, die Sündhaftigkeit unſerer Wege, der Fluch, der auf uns liegt, die Schrecken, die uns umgeben das waren die Gegenſtände, von denen ich in meiner Kindheit Tag für Tag ſprechen hörte. Sie bildeten meinen