Die Stunde naht. 19
leicht Jeremiah, deſſen Zähne von halbausgeſprochenen Dro⸗ hungen klapperten, als ob er fürchterlich fröre.
„Unſere geliebte Madam Flintwinch trifft mit ihrer plötz⸗ lichen Entwickelung von feiner Auffaſſungsgabe und von Ah⸗ nungsvermögen wunderbar das Rechte. Ja. So lautet die Ge⸗ ſchichte. Monſieur der Onkel befiehlt dem Neffen, zu heira⸗ then. Monſieur ſagt zu ihm:„Reffe, ich mache Dich mit einer Dame von großer Charakterſtärke gleich mir bekannt: eine entſchloſſene Dame, eine ſtrenge Dame, eine Dame, welche einen Willen hat, der den Schwachen zu Staub zer⸗ malmen kann: eine Dame ohne Mitleid, ohne Liebe, un⸗ verſöhnlich, rachſüchtig, kalt wie Stein, aber verzehrend wie Feuer!““ Ah, welche Stärke! Ah, welche Ueberlegenheit von geiſtiger Kraft! Wahrhaftig, ein ſtolzer und edler Cha⸗ rakter, den ich mit den wahrſcheinlichen Worten Monſieurs des Onkels beſchreibe. Ha, ha, ha? Mort de ma vie, ich liebe die herrliche Dame!“
Mrs. Clennams Geſicht hatte ſich verändert. Es hatte eine merkwürdige, dunkle Farbe angenommen und die Stirn war finſterer geworden.„Madam, Madam,“ ſagte Rigaud, und klopfte ihr auf den Arm, als ob ſeine grauſame Hand den Ton eines muſikaliſchen Inſtrumentes probirte.„Ich bemerke, daß ich Sie zu intereſſiren anfange. Ich bemerke, daß ich Ihre Theilnahme erwecke. Fahren wir fort!“ Er mußte jedoch die herabzuckende Naſe und den hinaufzucken⸗ den Schnurrbart für einen Augenblick mit der weißen Hand
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