148 Neunundzwanzigſtes Kapitel.
Der Schatten rückte mit der Sonne vor, aber ſie wich nie von ſeiner Seite, außer um ihn zu bedienen. Die Sonne ging unter, und ſie war immer noch da. Sie war jetzt mit ihrer Arbeit fertig, und ihre Hand verweilte noch zögernd auf der Lehne ſeines Stuhls. Er legte ſeine Hand darauf, und ſie faßte ihn mit zitterndem Flehen.
„Lieber Mr. Clennam, ich muß Ihnen Etwas ſagen, ehe ich gehe. Ich habe es von einer Stunde zur andern aufge⸗ ſchoben, aber ich muß es ſagen.“
„Auch ich, liebe Klein Dorrit. Auch ich habe aufge⸗ ſchoben, was ich ſagen muß.“
Sie bewegte unruhig die Hand nach ſeinen Lippen, als wollte ſie ihn zum Schweigen vermögen; aber ſie ließ ſie zitternd wieder ſinken.
„Ich verlaſſe England nicht wieder. Mein Bruder wol, aber ich nicht. Er hat mich immer lieb gehabt, und er iſt jetzt ſo dankbar gegen mich— viel zu dankbar, denn es iſt nur, weil ich zufällig bei ihm war in ſeiner Krankheit— daß er ſagt, ich ſoll bleiben, wo es mir gefällt, und thun, was mir gefällt. Er wünſcht mich blos glücklich zu ſehen, ſagt er.“
Ein heller Stern glänzte am Himmel. Sie blickte zu ihm auf, während ſie ſprach, als wäre es der inbrünſtige Vorſatz ihres Herzens, der über ihr glänzte.
„Ich brauche Ihnen wol nicht erſt zu ſagen, daß mein Bruder hergereiſt iſt, um ſich das Teſtament meines guten Vaters aushändigen zu laſſen und von ſeinem Vermögen
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