142 Neunundzwanzigſtes Kapitel.
und des Mangels an Nahrung ler hatte den Appetit und ſogar den Geſchmack ganz und gar verloren) war er ſich zwei⸗ oder dreimal des Nachts bewußt geworden, daß er phantaſirte. Er hatte durch die warme Luft Bruchſtücke von Melodien und Liedern klingen hören, von denen er wußte, daß ſie nicht vorhanden waren. Jetzt, wo er in einen er⸗ ſchöpften Halbſchlummer zu verſinken anfing, vernahm er ſie wieder; und Stimmen ſchienen ihn anzureden, und er ant⸗ wortete und fuhr auf.
Halb ſchlummernd und träumend, ohne fähig zu ſein, 8
die Zeit zu berechnen, ſo daß eine Stunde eine Minute, und eine Minute eine Stunde hätte ſein können, fühlte er eine Vorſtellung immer lebhafter werden— die Vorſtellung von einem Blumengarten, deſſen ſüße Düfte ein feuchter, linder Wind auf ſeinen Schwingen trug. Es koſtete ihm ſo viel ſchmerzliche Anſtrengung, den Kopf aufzurichten, um darüber in's Klare zu kommen, oder um überhaupt über Etwas in's Klare zu kommen, daß die Vorſtellung ihm faſt ganz wie eine alte und läſtige vorkam, als er ſich umſchaute. Da erblickte er neben der Theetaſſe auf dem Tiſch einen blühenden Strauß: eine wundervolle Zuſammenſtellung der auserleſenſten und ſchönſten Blumen.
Noch nie war ſeinen Augen Etwas ſo ſchön vorgekommen. Er nahn ſie und ſog ihren Duft ein, und legte ſie an ſeine heiße Stirn, und ſetzte ſie wieder hin, und hielt ſeine fiebernden Hände darüber, wie man kalte Hände ausbreitet, um die wohlthuende Flamme zu genießen. Erſt als er ſich
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