Teil eines Werkes 
9. Th. (1857)
Entstehung
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98 Siebenundzwanzigſtes Kapitel. 4

Zimmer ein an jenem Abend, wo er das Morgenroth ihres wiederkehrenden Glücks geſehen und wo ſie noch andere Worte gewechſelt hatten, an die er ſich nun mit Wehmuth und als Gefangener erinnern ſollte.

Man bedenke die Unwahrſcheinlichkeit.

Aber ſie hatte bei näherer Betrachtung eine vorwiegende Neigung, geringer zu werden. Eine andere und ſeltſame Frage in ſeinem Herzen drängte ſich gleichzeitig immer mehr vor. Lag in ſeiner Abneigung gegen den Glauben, daß ſie einen Andern liebe; in ſeinem Wunſche, dieſe Frage zu be⸗ ſeitigen; in ſeinem halbfertigen Bewußtſein, daß es edel ſei, ihre Liebe zu einem Andern zu unterſtützen, nicht ein unterdrücktes Etwas auf ſeiner Seite, das er beſchwichtigt hatte, wie es anfing, in ihm lebendig zu werden? Hatte er ſich jemals zugeflüſtert, daß er niemals daran denken dürfe, ſie könnte ihn lieben, daß er ihre Dankbarkeit nicht benutzen dürfe, daß er ſeine Erfahrung als Warnung und Mahnung vor Augen behalten müſſe; daß es ſeine Pflicht ſei, ſolche jugendliche Hoffnungen als abgeſchieden zu betrachten, wie die todte Tochter ſeines Freundes abgeſchieden war; daß er nicht aufhören dürfe, zu ſich zu ſagen, daß die Zeit für ihn vorüber und er ſelbſt zu ernſt und alt geworden ſei?

Er hatte ſie geküßt, als er ſie vom Fußboden aufgehoben an dem Tage, wo man ſie, ſo treu der alten Weiſe und ſo bedeutungsvoll, vergeſſen hatte. Ganz ebenſo, wie er ſie ge⸗ küßt haben würde, wenn ſie bei vollem Bewußtſein geweſen wäre? Kein Unterſchied?