Die Geſchichte einer Selbſtquälerin. 137
ſein, mochte er mit ihr tanzen, mit ihr ſingen, mit ihr ſpie⸗ len oder mit ihr beten, machte er grauenhaft.
Sie werden daher leicht einſehen, daß wenn Ihr wer⸗ ther Freund mich beglückwünſchte, er in Wirklichkeit mir condolirte; daß wenn er mich in meinen Schmerzen zu tröſten verſuchte, er jede meiner offnen Wunden bloß legte; daß wenn er erklärte, mein„treuer Schäfer“ zu ſein,„der verliebteſte Jüngling von der Welt mit dem zärtlichſten Herzen, das jemals geſchlagen habe,“ er meine alte Ahnung wieder wach rief, daß man mich lächerlich machte. Das waren keine großen Dienſte, werden Sie ſagen. Ich nahm ſie an, weil ſie wiedergaben, was ich dachte, und beſtätigten, was ich wußte. Ich begann bald an der Geſellſchaft Ihres werthen Freundes größern Gefallen zu finden, als an jeder andern.
Als ich gewahr wurde(was faſt ſogleich geſchah), daß daraus Eiferſucht entſtand, gefiel mir dieſe Geſellſchaft noch beſſer. Hatte ich nicht von Eiferſucht leiden müſſen und ſollte ich allein leiden? Nein. Er ſollte auch erfahren, was Eiferſucht iſt! Ich freute mich, daß er es erfahren ſollte; ich freute mich, daß er es tief empfinden würde, und ich hoffte es. Mehr noch als das. Er war matt im Ver⸗ gleich mit Mr. Gowan, der mich auf gleichem Fuße zu unter⸗ halten wußte, und unſere elende Umgebung zu zergliedern verſtand.
Dies ging ſo fort, bis die Tante, meine Herrin, es über⸗ nahm, mit mir zu ſprechen. Es ſei kaum der Rede werth; ſie wüßte, ich hätte keine Abſicht dabei, aber ſie erlaube ſich,


