Teil eines Werkes 
8. Th. (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13³6 Einundzwanzigſtes Kapitel.

Gerade als meine Bedrängniſſe am größten waren, und als ich meinen Geliebten wegen der Undankbarkeit, mit der er ſich um die unzähligen Kränkungen, die ich ſeinetwegen erdulden mußte, gar nicht kümmerte, am meiſten erzürnt war, erſchien Ihr werther Freund, Mr. Gowan, im Hauſe. Er hatte ſeit langer Zeit zu den Freunden deſſelben gehört, aber er war im Auslande geweſen. Er verſtand die Sachlage mit Einem Blick, und er verſtand mich.

Er war die erſte Perſon, die mir im Leben begegnet war, die mich verſtand. Er war nicht dreimal bei uns geweſen, ehe ich wußte, daß er jeder Regung meines Geiſtes folgte. In ſeiner gleichgültig nachläſſigen Weiſe, mit der er Alle und mich und die ganze Sache behandelte, ſah ich es deutlich. In ſeiner kühlen Betheuerung der Bewunderung für meinen zukünftigen Gatten, in ſeiner Begeiſterung über unſere Ver⸗ bindung und unſere Ausſichten, in ſeinen hoffnungsvollen Beglückwünſchungen unſers zukünftigen Reichthums und ſeine niedergeſchlagenen Aeußerungen über ſeine Armuth alle gleich hohl und voller Spott und Ironie ſah ich es deut⸗ lich. Er lehrte mir immer mehr, mit mir zu grollen und mich ſelbſt zu verachten, indem er mir meine ganze Umgebung ſtets in einem neuen haſſenswerthen Lichte zeigte, während er vorgab, ſie mir in ihrem beſten Lichte zu meiner und ſei⸗ ner Bewunderung darzuſtellen. Er war wie der angeputzte Tod in dem niederländiſchen Todtentanz; jede Geſtalt, die er umſchlang, mochte ſie jung oder alt, ſchön oder häßlich