130 Einundzwanzigſtes Kapitel.
kommt zur lieben Miß Wade, kommt zur hübſchen Miß Wade. Sie hat euch ſo lieb. Miß Wade iſt eine ge⸗ ſcheidte Dame, die viele, viele Bücher geleſen hat und viel beſſere und ſchönere Geſchichten als ich erzählen kann. Kommt und laßt Euch von Miß Wade erzählen!“ Wie konnte ich ihre Aufmerkſamkeit gewinnen, wenn mein Herz gegen dieſe unwiſſenden Pläne entbrannte? Wie konnte ich mich wundern, wenn ich ſah, wie ihre unſchuldigen Geſichter ſich abwendeten und die kleinen Arme ſie umſchlangen, an⸗ ſtatt mich? Dann ſah ſie mich an, ſtrich ſich ihre Locken aus dem Geſicht und ſagte:„Sie werden ſchon kommen, Miß Wade; ſie ſind ſehr einfach und gutherzig, Madam; machen Sie ſich darüber keine Gedanken, Madam.“ So triumphirte ſie über mich!
Noch etwas Anderes that dieſe Frau. Manchmal, wenn ſie ſah, daß es ihr gelungen war, mich auf dieſe Weiſe in ein düſtres Hinbrüten zu verſetzen, lenkte ſie die Aufmerk⸗ ſamkeit der Kinder darauf und zeigte ihnen den Unterſchied zwiſchen ſich ſelbſt und mir.„Still! die arme Miß Wade iſt nicht wohl. Macht keinen Lärm, Kinder, der Kopf thut ihr weh. Kommt, tröſtet ſie. Kommt, fragt ſie, ob ſie ſich beſſer befindet; bittet ſie, ſich hinzulegen. Ich hoffe, Sie haben keinen Kummer auf der Seele, Madam. Ich bitte Sie, Madam, grämen Sie ſich nicht!“
Es wurde unausſtehlich. Als die gnädige Frau, meine Herrin, einmal in meine Stube trat, als ich allein war und ſo recht fühlte, daß ich es nicht länger ertragen könnte, ſagte


