Teil eines Werkes 
8. Th. (1857)
Entstehung
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Die Geſchichte einer Selbſtquälerin. 129

zu thun, daß ſie meine Herrin war, und ihre Dienerin anders behandeln könnte, wenn es ihr einfiel.

Ich ſagte, daß ich meinen Groll nicht zeigte und ich that es auch nicht; aber ich zeigte ihr, daß ich ſie verſtand, in⸗ dem ich ihr nichts zu Gefallen that. Wenn ſie mich einlud, Wein zu trinken, trank ich Waſſer. Wenn etwas Auserleſe⸗ nes auf den Tiſch kam, ſchickte ſie es ſtets mir; aber ich dankte ſtets dafür und aß von den verſchmähten Gerichten. Dieſes Zurückweiſen ihrer Gönnerſchaft war wie eine ſcharfe Erwiderung, und gab mir ein Gefühl der Unabhängigkeit.

Ich hatte die Kinder gern. Sie waren ſchüchtern, aber im Ganzen geneigt, mich liebzugewinnen. Es war jedoch ein Kindermädchen im Hauſe, eine Frau mit einem muntern Geſicht, die immer zudringlich zur Schau trug, daß ſie hei⸗ ter und guter Dinge war, die beide geſtillt hatte und die ihre Liebe gewonnen, ehe ich ſie ſah. Ohne dieſe Frau hätte ich faſt mit meinem Schickſal zufrieden ſein können. Ihre Kunſtgriffe, vor den Kindern in beſtändigem Wettbewerb mit mir zu bleiben, hätten manche an meiner Stelle nicht ge⸗ ſehen; aber ich durchſchaute ſie vollkommen gleich vom An⸗ fang an. Unter dem Vorwand, in meinem Zimmer aufzu⸗ räumen und mir aufzuwarten und meine Garderobe zu be⸗ ſorgen(was ſie Alles mit großem Fleiß that), war ſie nie abweſend. Der ſchlaueſte ihrer vielen Kunſtgriffe war ihre Heuchelei, ſich zu ſtellen, als wollte ſie den Kindern lehren,

mich liebzugewinnen.„Kommt zur guten Miß Wade, Klein Dorrit. VIII. 9