Teil eines Werkes 
8. Th. (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

128 Einund 82 igſtes Kapitel. zwanz

Als ich nach Hauſe kam, ſagte ich zu meiner vermeint⸗ lichen Großmutter, wenn ſie mich zur Vollendung meiner Erziehung nicht anders wohin ſchickte, ehe dieſes Mädchen oder eine von den Andern zurückkehrte, ſo würde ich mich lieber in das Feuer werfen und mir die Augen ausbrennen, als den Anblick ihrer intriguirenden Geſichter ertragen.

Ich kam jetzt unter erwachſene Mädchen und fand ſie nicht beſſer. Schöne Worte und ſchöner Schein; aber ich durchſchaute dieſes Großthun mit ſich ſelbſt und dieſes her⸗ abſetzende Weſen gegen mich und ſie waren nicht beſſer. Ehe ich ſie verließ, erfuhr ich, daß ich keine Großmutter und keine Verwandte hatte, die ich dem Geſetz nach ſo nennen konnte. Mit der Leuchte dieſes Wiſſens beleuchtete ich meine Vergan⸗ genheit und die Zukunft. Sie zeigte mir viele neue Gelegen⸗ heiten, wo Leute über mich triumphirten, während ſie vor⸗ gaben, voll Rückſicht gegen mich zu ſein, oder mir einen Dienſt zu erweiſen.

Ein Geſchäftsmann hatte für mich ein kleines Vermögen zu verwalten. Ich ſollte Erzieherin werden. Ich wurde Er⸗ zieherin; und kam in die Familie eines armen Edelmanns, wo zwei Töchter waren— kleine Kinder; aber die Eltern wünſchten ſie womöglich unter einer Lehrerin aufwachſen zu laſſen. Die Mutter war jung und hübſch. Von Anfang an trug ſie es zur Schau, mich mit großem Zartgefühl zu be⸗ handeln. Ich behielt meinen Groll für mich; aber ich wußte recht gut, daß dies ihre Art war, ſich Etwas darauf zu gute