Teil eines Werkes 
8. Th. (1857)
Entstehung
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Die Geſchichte einer Gelbſiauälerin. 127

Die Tante ſagte:„Charlotte, Miß Wade quält dich zu Tode und das darf nicht fortdauern.“ Ich wiederhole wört⸗ lich, was ich hörte.

Was antwortete ſie nun? Sagte ſie etwa„nein, ich bin es, die ſie zu Tode quält, ich, die ſie beſtändig auf der Fol⸗ ter geſpannt hält und doch ſagt ſie mir jede Nacht, daß ſie mich innig liebt, obgleich ſie weiß, was ſie von mir leiden muß?“ Nein; meine erſte denkwürdige Erfahrung entſprach ganz dem, was ich von ihr erwartete und allen meinen an⸗ dern Erfahrungen. Sie fing an zu ſchluchzen und zu weinen (um die Theilnahme ihrer Tante für ſich zu gewinnen) und ſagte:„Liebe Tante, ſie hat ein unglückliches Temperament; andere Mädchen in der Schule, außer mir, geben ſich viele Mühe, es zu beſſern; wir geben uns Alle viel Mühe.“

Darauf liebkoſete die Tante ſie, als ob ſie etwas Edles, anſtatt etwas Verächtliches und Falſches geſagt hätte und ſetzte die niederträchtige Heuchelei fort durch die Antwort, „aber Alles hat ſeine vernünftigen Grenzen, mein Herz, und ich ſehe, daß dieſes arme unglückliche Mädchen Dir mehr be⸗ ſtändigen und nutzloſen Schmerz verurſacht, als ſogar ein ſo löbliches Wollen rechtfertigen würde.“

Das arme unglückliche Mädchen trat aus ſeinem Verſteck hervor, wie Sie ſich wol werden denken können, und ſagte, „ſchicken Sie mich nach Hauſe.“ Ich habe nie ein anderes Wort zu einer von ihnen geſprochen, als:„ſchicken Sie mich nach Hauſe oder ich gehe den Tag und die Nacht hindurch allein nach Hauſe!“