Teil eines Werkes 
8. Th. (1857)
Entstehung
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126 Einunbzwanzigſtes Kapitel.

konnte. Ihr Plan war, Aller Herzen zu gewinnen— und ſo mich mit Eiferſucht von Sinnen zu bringen; mit Allen vertraut und gegen Alle liebreich zu ſein— und ſo mich vor Neid wahnſinnig zu machen. Des Abends, wenn wir in unſerm Schlafzimmer allein waren, machte ich ihr Vor⸗ würfe und zeigte ihr, wie vollkommen ich ihre Niederträch⸗ tigkeit durchſchaute; und dann fing ſie an zu weinen und ſagte, ich wäre grauſam und dann hielt ich ſie mit meinen Armen umſchloſſen, bis es wieder Tag wurde: denn ich liebte ſie ſo ſehr, wie ſonſt und oft war es mir, daß ich lieber, anſtatt ſo zu leiden, ſie ſo in meinen Armen halten, und mich in einen tiefen Fluß ſtürzen möchte— wo ich ſie im⸗ mer noch umſchlungen halten würde, nachdem wir Beide längſt todt wären.

Es kam zu einem Ende und ich wurde frei. In der Fa⸗ milie war eine Tante, die mich nicht gern hatte. Ich be⸗ zweifle, daß mich Jemand von der Familie beſonders gern hatte; aber daran war mir weiter nichts gelegen, ſo ganz und gar nahm mich dieſes eine Mädchen in Anſpruch. Die Tante war noch jung und hatte eine ernſte Art, mich mit ihren Augen zu beobachten. Sie war keck und ſah mich mit unverhohlenem Mitleid an. Nach einer der erwähnten Nächte kam ich vor dem Frühſtück in ein Gewächshaus. Charlotte (ſo hieß meine falſche junge Freundin) war vor mir hinunter gegangen und ich hörte dieſe Tante mit ihr von mir ſpre⸗ chen, als ich eintrat. Ich blieb ſtehen, wo ich war, von dem Laube verborgen, und horchte.