26 Fünfzehntes Kapitel.
und gedrückt fühlte, ſo hätte für ſie nichts eine beſſere Hei⸗ lung ſein können, als die Möglichkeit, wie vor alter Zeit neben ihrem Vater zu ſitzen und zu arbeiten oder ihm ſein Abendeſſen und ſein Ruhelager zu bereiten. Aber daran war jetzt nicht mehr zu denken, wo ſie, mit Mrs. General auf dem Bocke, in der Staatskutſche ſaßen. Und was das Abendeſſen betrifft! Wenn Mr. Dorrit ein Abendeſſen ver⸗ langt hätte, ſo mußten erſt ein italieniſcher Koch und ein Schweizerzuckerbäcker Mützen ſo hoch wie die Tiara des Pap⸗ ſtes aufſetzen, und die myſteriöſen Gebräuche von Alchymiſten in einem mit kupfernen Caſſerolen verſehenen Laboratorium unter der Erde verrichten, ehe er es bekommen konnte.
Er war dieſen Abend ſententiös und lehrhaft. Wäre er einfach herzlich geweſen, ſo hätte es Klein Dorrit wohler ge⸗ than; aber ſie nahm ihn hin wie er war— wann hätte ſie ihn nicht hingenommen, wie er war!— und machte das Meiſte und Beſte aus ihm. Mrs. General zog ſich endlich zu⸗ rück. Der Abſchied für den Abend war ſtets ihre froſtigſte Ceremonie; als fände ſie es nothwendig, die menſchliche Phantaſie zu Stein zu erſtarren und ſie zu hindern, ihr zu folgen. Als ſie fort war, ſchlang Klein Dorrit ihren Arm um den Hals des Vaters, um ihm gute Nacht zu ſagen.
„Meine gute Amy,“ ſagte Mr. Dorrit, indem er ihre Hand ergriff,„dies iſt das Ende eines Tages, der mich— ha— ſehr gerührt und erfreut hat.“
„Und auch ein Wenig müde gemacht, Lieber, nicht wahr?“ „Nein,“ ſagte Mr. Dorrit,„nein, ich fühle Müdigkeit


