Raths erholen. 151
Noch ein anderer Umſtand beſtärkte Klein Dorrit ſehr in ihren Beſorgniſſen, obgleich es an und für ſich kein Umſtand von Bedeutung war. Mr. Sparklers Benehmen gegen ſie wurde anders. Es wurde brüderlich. Manchmal, wenn ſie
ſich in dem äußern Kreiſe von Geſellſchaften befand— bei
’1 ſich zu Hauſe, bei Mr. Merdle, oder anderswo— fand ſie
ſich unverſehens von Mr. Sparklers Arm umfangen. Mr.
Sparkler äußerte ſich nie mit einem Wort erklärend über dieſe Aufmerkſamkeit; ſondern lächelte nur mit einer Miene verlegener, zufriedner, gutmüthiger Eigenthümerſchaft, die bei einem ſo ſchwerfälligen Herrn doppelt bedeutſam war. Klein Dorrit war eines Tags zu Hauſe und dachte mit ſchwerem Herzen an Fanny. Sie hatten ein Zimmer an dem einen Ende ihrer Reihe von Salons, das faſt ganz aus einer unregelmäßigen, über die Straße hervorragenden Fenſter⸗ niſche beſtand und das ganze maleriſche Leben und Treiben auf dem Corſo überſehen ließ. Um drei oder vier Uhr Nach⸗ mittags nach engliſcher Zeit war die Ausſicht von dieſem
Fenſter ſehr intereſſant und eigenthümlich; und Klein Dor⸗
rit pflegte hier zu ſitzen und zu träumen, ziemlich in derſel⸗
ben Weiſe, wie ſie die Zeit auf ihrem Balkon in Venedig verbracht hatte. Wie ſie eines Tags ſo da ſaß, legte ſich eine
Hand ſanft auf ihre Schulter und Fanny ſagte„nun, meine
gute Amy,“ und nahm neben ihr Platz. Ihr Sitz war ein
Theil des Fenſters und wenn eine öffentliche Feſtlichkeit oder
eine Proceſſion war, ſo pflegten ſie bunte Teppiche aus dem
Fenſter hinauszuhängen und auf dem Sitz zu knien oder zu
—- ——


