150 Vierzehntes Kapitel.
Während dieſer Zeit ſagte Mrs. Merdle wenig zu Fanny, aber deſto mehr über ſie. Es war, als wäre ſie gezwun⸗ gen, ſie durch ihre Lorgnette anzuſehen und in der allgemei⸗ nen Unterhaltung ſich lobende Aeußerungen über ihre Schön⸗ heit und von der Unwiderſtehlichkeit derſelben abringen zu laſſen. Der herausfordernde Charakter, welchen dieſe Schön⸗ heit annahm, ſo oft Fanny dieſe Lobſprüche hörte(was mei⸗ ſtens geſchah), ſprach nicht von Nachgibigkeit gegen den un⸗ parteiiſchen Buſen; aber die größte Rache, welche der Buſen übte, war hörbar zu ſagen,„eine verzogene Schönheit— doch wer kann ſich darüber bei einer ſolchen Geſtalt und einem ſolchen Geſicht wundern?“
Ungefähr vier oder ſechs Wochen mochten nach dem Abend des Rathserholens verſtrichen ſein, als Klein Dorrit zu glau⸗ ben anfing, ein neues Einverſtändniß zwiſchen Mr. Spark⸗ ler und Fanny zu entdecken. Wie in Erfüllung eines Ver⸗ trags ſprach Mr. Sparkler faſt nie, ohne vorher Fanny um Erlaubniß anzublicken. Dieſe junge Dame war zu discret, ihm den Blick zurückzugeben; aber wenn Mr. Sparkler ſpre⸗ chen durfte, blieb ſie ſtumm, wenn er nicht durfte, ſprach ſie ſelbſt. Außerdem ward es klar, daß, ſo oft Henry Gowan den Freundſchaftsdienſt verſuchte, ihn zu blamiren, er ſich nicht blamiren ließ. Und nicht nur das, ſondern Fanny pflegte auch ſtets, ohne die mindeſte Beziehung in der Welt, Etwas zu ſagen, was einen ſolchen Stachel in ſich hatte, daß Gowan ſich zurückzog, als hätte er mit der Hand in einen Bienenkorb gegriffen.


