Vierzehntes Kapitel.
Es klang faſt wie etwas Verzweiflung aus dieſen Worten heraus; aber mit einem kurzen ſtolzen Lachen begann ſie einen neuen Umgang im Zimmer, und blieb, nachdem ſie vor einem großen Spiegel vorbeigekommen war, wieder ſtehen.
„Geſtalt! Geſtalt, Amy! Gut. Das Weib hat eine ſchöne Geſtalt. Ich gebe ihr, was ihr gebührt und läugne es nicht. Aber iſt ſie darin allen Andern ſo ſehr überlegen, daß ſie ganz unnahbar iſt? Auf mein Wort, ich bin davon nicht ſo feſt überzeugt. Wenn erſt eine viel Jüngere ſich als verheirathete Frau erlauben darf, ſich ſo zu kleiden wie ſie, ſo möchte ich doch einmal ſehen, meine Gute!“
Ein Etwas in dieſem Gedanken, das ihr wohlthat und ihr ſchmeichelte, brachte ſie in beſſerer Stimmung auf ihren Sitz zurück. Sie ergriff die Hände ihrer Schweſter mit ihren beiden Händen und ſchlug alle vier Hände über ihrem Kopf zuſammen, wie ſie ihre Schweſter lachend anſah.
„Und die Tänzerin, Amy, welche ſie ganz vergeſſen hat, die Tänzerin, welche mir auch gar nicht ähnlich iſt und an die ich ſie auch nicht im Mindeſten erinnere, o, nicht im Mindeſten!— ſollte durch ihr Leben tanzen und ihr im Wege herumtanzen nach einer Melodie, die ihren anmaßen⸗ den Gleichmuth ein Wenig außer Faſſung bringen würde. Ein ganz klein Wenig, meine gute Amy, ein ganz klein Wenig!“ Da ſie bemerkte, wie Amy ſie voll Ernſt und fle⸗ hend anſah, brachte ſie die vier Hände herunter, und legte nur Eine Amy auf den Mund.


