Elftes Kapitel.
Soll ich Ihnen erzählen, wie ich das zweite Mal bei ihr war? Ich ging eines Tages, wo es ſich gerade traf, daß ich allein hinüberſpringen konnte, um 4 oder 5 Nachmittags zu ihr. Sie aß allein zu Mittag und ihr einſames Mahl war ihr über die Straße, über einer Art Kohlenbecken mit Feuer darin, gebracht worden, und ſie hatte keine Geſellſchaft oder keine Hoffnung auf Geſellſchaft, ſo viel ich ſehen konnte, als den alten Mann, der das Eſſen gebracht hatte. Er er⸗ zählte ihr eine lange Geſchichte von Räubern, die draußen vor der Stadt ein ſteinernes Heiligenbild feſtgenommen hätte, um ſie zu zerſtreuen, wie er ſpäter zu mir ſagte,„weil er ſelbſt eine Tochter hatte, obgleich ſie nicht ſo ſchön war.“
Ich muß jetzt auch von Mr. Gowan ſprechen, ehe ich das Wenige mittheile, was ich ſonſt noch von ihr zu ſagen habe. Er muß ihre Schönheit bewundern und ſtolz auf ſie ſein, denn ihr Lob iſt in Jedermanns Mund, und er muß ſie lieb haben, und ich zweifle gar nicht daran— aber in ſeiner Weiſe. Sie kennen ſeine Art, und wenn ſie Ihnen ebenſo gleichgültig und unzufrieden erſcheint wie mir, ſo denke ich gewiß nicht falſch, wenn ich meine, daß ſie beſſer für ſie paſſen könnte. Wenn Sie nicht ſo denken, ſo bin ich über⸗ zeugt, daß ich mich vollſtändig irre; denn Ihr unverändertes armes Kind vertraut Ihrem Wiſſen und Ihrer Güte mehr als es Ihnen jemals ſagen kann, wenn es den Verſuch machte. Aber erſchrecken Sie nicht, ich will es nicht verſuchen. In Folge(wie ich glaube, wenn Sie auch der Meinnng ſind) von Mr. Gowans unbeſtändigem und unzufriedenem Weſen


