Teil eines Werkes 
7. Th. (1857)
Entstehung
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Ein Brief von Klein Dorrit. 69

ich bis vor ganz Kurzem gewöhnt geweſen bin; und ich bilde mir ein, ich betrachtete mir ſie nicht mit meinen Au⸗ gen, ſondern mit Ihren. Denn es läßt ſich leicht erkennen, daß ſie ſtets in einer liebevollen und glücklichen Umgebung aufgewachſen iſt, ſelbſt wenn ſie mir es nicht mit ſo über⸗ ſtrömender Liebe mitgetheilt hätte.

Es iſt eine etwas kahle Wohnung, eine ziemlich dunkle, von Vielen begangene Treppe hinauf und ſie beſteht faſt aus weiter nichts als einem einzigen großen, öden Zimmer, wo Mr. Gowan malt. Die Fenſter, durch die man hinausſehen könnte, ſind verhangen und die Wände ſind über und über mit Kreide und Kohle von Andern bemalt, die früher hier gewohnt haben, ach wer weiß ſeit wie viel Jahren! Ein Vorhang, der mehr ſtaubfarbig als roth ausſieht, theilt den Saal in der Mitte und der Raum dahinter iſt das Privat⸗ zimmer. Als ich ſie zuerſt darin ſah, war ſie allein und die Arbeit war ihr aus der Hand geſunken und ſie blickte hinauf nach dem Himmel, der durch den obern Theil der Fenſter herein ſah. Bitte, machen Sie ſich keine beſorglichen Ge⸗ danken, wenn ich es Ihnen ſage, aber es war nicht ganz ſo luftig oder ſo hell und ſo freundlich und glücklich als ich es gern geſehen hätte.

Da Mr. Gowan Papa's Portrait malt(das ich, glaube ich, beinah gar nicht dafür gehalten hätte, wenn ich es nicht gewußt hätte), habe ich öfter Gelegenheit gehabt, bei ihr zu ſein, als es ohne dieſen glücklichen Zufall der Fall geweſen wäre. Sie iſt ſehr viel allein. Wirklich ſehr viel allein.