Teil eines Werkes 
6. Th. (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

nn

Erſtes Kapitel.

nimmer ruhende Kränze von Nebel und Wolken von Dunſt ſchwebten herum, gejagt von einem ſtöhnenden Winde, und Schnee, die Gefahr, die den Wanderer des Gebirgs ſtets um⸗ lagert und gegen welche alle jene Vertheidigungsmaßregeln gerichtet waren, wehte ſcharf von oben herab.

Die Reihe der Maulthiere, müde geworden von ihrem Tagewerk, drehte und wand ſich langſam die ſteile Höhe empor, das erſte geführt von einem Führer zu Fuß in ſeinem breitrandigen Hut und ſeiner runden Jacke, auf den Schul⸗ tern ein paar Alpenſtöcke. Ein anderer Führer unterhielt ſich mit ihm. Unter der Reihe der Reiter wurde nicht ge⸗ ſprochen. Die beißende Kälte, die Anſtrengung der Reiſe und ein neues Gefühl gehemmten Athmens, theils als ob ſie eben aus ſehr klarem hartem Waſſer aufgetaucht, und theils als ob ſie geſchluchzt, ließen ſie ſchweigen.

Endlich flimmerte auf dem Gipfel der Felſentreppe durch Schnee und Nebel ein Licht, die Führer riefen den Maul⸗ thieren zu, die Maulthiere richteten ihre hängenden Köpfe empor, die Zungen der Reiſenden löſten ſich und mit einem plötzlich losbrechenden Glitſchen, Klettern, Klingeln, Trap⸗ peln und Schwatzen erreichten ſie die Thür des Kloſters.

Andere Maulthiere waren kurz vorher angelangt, einige, auf welchen Bauern ritten, und einige mit Waaren, und hatten den Schnee vor der Thür zu einem Kothpfuhl zu⸗ ſammengetreten. Reitſättel und Zügel, Packſättel und Schel⸗ lengeläute, Maulthiere und Menſchen, Laternen, Fackeln, Säcke, Lebensmittel, Fäſſer, Käſe, Tonnen mit Honig und