4 Erſtes Kapitel.
nen großen Kropf ſonnte, verſpeiſte ſchmatzend Trauben; der Odem der Kühe und Ziegen roch nach den Blättern und Stielen von Trauben; die Geſellſchaft in jeder kleinen Hütte aß Trauben, trank den Saft der Trauben und ſprach von der Ernte der Trauben. Schade, daß ſich von dieſer edlen Fülle dem dünnen, herben, ſcharfen Weine, welcher von den Trauben gemacht wurde, nichts mittheilen ließ, was ihm den Geſchmack der Reife gegeben hätte!
Die Luft war warm und durchſichtig geweſen den ganzen hellen Tag hindurch. Glänzende metallene Thurmſpitzen und Kirchendächer, fern und ſelten zu ſehen, hatten in den Land⸗ ſchaftsbildern geblitzt, und die ſchneeigen Berggipfel waren ſo klar geweſen, daß daran nicht gewöhnte Augen, die da⸗ zwiſchen liegenden Striche vergeſſend und ihre zerklüftete Höhe für ein Ding der Fabel haltend, geglaubt haben wür⸗ den, man könne ſie leicht in ein paar Stunden erreichen. Bergſpitzen von großer Berühmtheit in den Thälern, wo bisweilen monatelang keine Spur ihres Daſeins ſichtbar war, waren ſeit dem Morgen klar und deutlich am blauen Himmel erblickt worden. Und jetzt, wo es unten dunkel war, grenzten ſie ſich, obwol ſie ſich ernſt und feierlich zurück zu ziehen ſchienen, wie Geſpenſter, die im Verſchwinden begriffen ſind, als die rothe Färbung des Sonnenuntergangs aus ihnen wich und ſie kalt und weiß ließ, in ihrer Einſamkeit deutlich von den Nebeln und Schatten ab.
Von dieſen einſamen Höhen und vom Paſſe des großen St. Bernhard, der eine von ihnen war, geſehen, kam die
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