154 Neunundzwanzigſtes Kapitel.
„Klein Dorrit,“ ſagte ſie, als ſie endlich das Schweigen brach,„was wiſſen Sie von dieſem Menſchen?“
„Ich weiß durchaus nichts von ihm, Madame, aus⸗ genommen, daß ich ihn um mich geſehen habe, und daß er zu mir geſprochen hat.“
„Was hat er zu Ihnen geſagt?“
„Ich verſtehe nicht, was er geſagt hat, er iſt ſo ſeltſam. Aber es war nichts Grobes oder Unangenehmes.“
„Warum kommt er hierher, Sie zu ſehen?“
„Das weiß ich nicht, Madame,“ ſagte Klein Dorrit voll⸗ kommen aufrichtig.
„Sie wiſſen, daß er hierher kommt, um Sie zu ſehen?“
„Ich habe ſo gedacht,“ ſagte Klein Dorrit.„Aber wes⸗ halb er gerade darum hierher oder ſonſt wohin kommen ſollte, Madame, kann ich mir nicht denken.“
Mrs. Clennam ſchlug ihre Augen zu Boden und ſaß, indem ſich ihr ſtrenges Geſicht ſo feſt auf einen Gegenſtand in ihren Gedanken richtete, als es ſo eben noch auf die Geſtalt gerichtet geweſen, die von ihren Augen hinweggegangen war, gedankenvoll da. Einige Minuten verfloſſen, ehe ſie dieſes Nachſinnen aufgab und ihre ſtrenge Faſſung wiedergewann.
Klein Dorrit hatte inzwiſchen gewartet, gehen zu können, aber gefürchtet, ſie zu ſtören, wenn ſie ſich bewegte. Sie wagte es jetzt, die Stelle zu verlaſſen, wo ſie geſtanden, ſeit ſie ſich erhoben, und leiſe um den Rollſtuhl herumzugehen. Sie blieb neben ihm ſtehen, um zu ſagen:„Gute Nacht, Madame!“


